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Märtyrer wider Willen - Warum Monkey Island 4 gut ist (QuerSchläger)

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Märtyrer wider Willen - Warum Monkey Island 4 gut ist (QuerSchläger)
Vom: 04.04.2004
Monkey Island 4 ist ein sehr gutes Spiel. Punkt. Kein Aber.



Monkey Island 4 sprüht auch noch in der deutschen Übersetzung vor dem Witz, für den viele die ersten Teile lieben, die geniale Musik ist auch heute noch Referenz und die knuffigen Hintergrundgrafiken vereinen Karibikflair mit Comicstil. Die Rätsel sind großteils auf höchstem LucasArts-Niveau (Stichwort: Sumpfrätsel), die Charaktere gewohnt schräg und die Zwischensequenzen sind so liebevoll umgesetzt, dass sie mehr als nur gelegentliches Schmunzeln provozieren. Und auch wenn die Steuerung besser hätte umgesetzt werden können ist nicht zu leugnen: Monkey Island 4 ist ein sehr gutes Spiel.



Diese Lobeshymne ist meine Meinung. Sie ist aber nicht der verzweifelte Aufschrei eines pickligen Einzelgängers mit Zahnfehlstellung, der schon in der Schule keine Freunde hatte, diese Meinung ist durchaus verbreitet: Im Internet finden sich fast ausschließlich Reviews im 80er Bereich und auch die nicht gerade für zu gute Adventure-Wertungen bekannten Printmedien Gamestar und PC Games adelten das Spiel mit je 86%. Monkey Island 4 war bis heute das letzte Adventure, dem das gelang. Die PC Player gab zwar "nur" 83%, titelte aber trotzdem mit "King of Comedy". Meine Pickel haben also offenbar andere Gründe.



Trotz dieses Lobs von allen Seiten ist nicht zu leugnen, dass dem vorerst letzten LucasArts-Adventure eine breite Welle der Ablehnung entgegenschwappt. Fragt jemand nach Meinungen zu dem Spiel, sind sofort mindestens drei Missionare zur Stelle, die dem Fragesteller unmissverständlich klar machen, wie schlecht Monkey Island 4 sei. Auch eine kürzlich durchgeführte Umfrage in unserem Forum, an der beachtlich viele Fans teilgenommen haben, hat bestätigt, dass der letzte Teil der Monkey-Island-Saga das unbeliebteste Adventure aller Zeiten ist.



Warum dieser Hass, der dem Spiel immer wieder entgegengebracht wird. Warum ist das Internet voll von Leuten, die nicht aufhören, sich und anderen das Spiel schlecht zu reden. Was an Monkey Island 4 hat einstige Fans so gegen die Serie aufgebracht?



Die Steuerung? Nein. Sicher hätte ein Point & Click Interface besser funktioniert und warum LucasArts nach den kritischen Stimmen zu Grim Fandango nicht dahin zurückgekehrt ist, wird wohl nie endgültig geklärt werden, aber wegen einer etwas hakligen Steuerung auf einen Kreuzzug gegen den Titel zu ziehen, macht keinen Sinn. Nach spätestens 30 Minuten haben sich auch Gröbstmotoriker an die Tastatursteuerung gewöhnt. Wenn die Steuerung der Grund gewesen wäre, hätte außerdem Grim Fandango in unserer Forums-Umfrage deutlich schlechter abgeschnitten.



Die Grafik? Man konnte nicht ernsthaft erwarten, dass LucasArts wieder zu den Klötzchengrafiken aus der Computersteinzeit greift, die wir von den ersten beiden Teilen in schwelgerischer Erinnerung haben. Wenn man seine nostalgischen Wallungen für einen Moment unter Kontrolle bekommt, muss man sich einfach eingestehen, dass technischer Fortschritt etwas Schönes ist und dankbar sein, dass wir nicht mehr auf die abstrakten Mosaike angewiesen sind, die vor vielen Jahren zwar noch gereicht haben, um uns eine karibische Inselwelt zu suggerieren, heute aber nur noch müdes Lächeln hervorrufen würden. Sicher ist Monkey Island 4 stilistisch einen neuen Weg gegangen - doch selbst wenn die Optik nicht mit den eigenen Wunschvorstellung deckungsgleich ist, mach es keinen Sinn, derart auf die Barrikaden zu gehen, wie viele es tun.



Auch die Wut über den Weggang von Adventure-Ikone Ron Gilbert vom einstigen Genre-Platzhirsch LucasArts kann den Unmut der wütenden Fans nicht verursacht haben - dann wäre auch Monkey Island 3 schon ähnlich verhasst gewesen. Mit den "Sam & Max"-Machern Sean Clark und Michael Stemmle hatte der vierte Teil der Serie sogar deutlich prominentere Designer als der dritte. Auch das oft kritisierte Monkey Kombat ist weder deutlich schwieriger noch nerviger als die Beleidigungsduelle der ersten Teile, wo man auch von Kämpfer zu Kämpfer wandern muss, um genug Beleidigungen zu lernen.



Ich bin ehrlich: Ich habe nicht die geringste Ahnung, warum gerade die Flucht von Monkey Island so viel unverdiente Ablehnung erfahren muss. Das einzige, was ich tun kann, ist immer wieder zu sagen: Spielt Monkey Island! Und zwar alle vier Teile, denn man kann mit allen vier Teilen sehr viel Spaß haben!