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Wie werde ich berühmt - für Dummies (QuerSchläger)

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Wie werde ich berühmt - für Dummies (QuerSchläger)
Vom: 03.12.2004
Sam & Max sind einfach nicht totzukriegen.



Kaum waren die Petitionen ausgedruckt, die Papierstapel an LucasArts geschickt und die Tränen der enttäuschten Fans getrocknet, tauchte plötzlich die Firma TellTale Games auf, die von einigen gefeuerten LucasArts-Mitarbeitern gegründet wurde. Tatsächlich schienen die Jungs Adventures - oder etwas Ähnliches - machen zu wollen. Es war sogar von Verhandlungen über eine bekannte Lizenz die Rede.



Moment? Das wird doch wohl nicht... Die Schlussfolgerung lag nahe, dass das Trio, das zuletzt an Sam & Max 2 gearbeitet hatte, ihr jüngstes Projekt auch zu Ende bringen wollte. Sam & Max 2 also doch nicht tot? Schnell machte die Nachricht die Runde, dass der sehnlich erwartete Hoffnungsträger vielleicht doch noch nicht ganz verloren war. Kaum eine Seite gab es im Netz, die die Neuigkeit nicht mit Begeisterung aufgenommen hätte, kaum einen Fan, dessen Flamme der Begeisterung nicht wieder zu lodern anfing. Es könnte ja wirklich sein...



Und es wurde still um TellTale.



Jetzt die nächste Welle: Quasi aus dem Nichts taucht der deutsche Publisher bad brain entertainment auf und erklärt nicht nur, die Finanzierung von A Vampyre Story zu übernehmen (toll!), sondern erwähnt ganz nebenbei auch Verhandlungen mit LucasArts. Um ein Spiel, auf das sich jeder freuen würde, ginge es. Das muss es sein! Ist bad brain wirklich Publisher von Sam & Max 2? Man weiß es nicht, schließlich können "Verhandlungen" viel bedeuten und benannt wurde das Spiel auch nicht, dennoch hielt das viele News-Seiten im Internet nicht davon ab, über das mögliche Wunder zu berichten. Und als hätte jemand eine brennende Kippe in die Herzen der Fans geschnippt, fängt es dort - schon wieder - an zu glühen. Gelingt es vielleicht dem deutschen David bad brain, dem US-Goliath LucasArts eine Lizenz für das beliebte Duo der Freelance Police zu abzuschwatzen?



Nun ja, ich habe keine Ahnung. Eigentlich klingt es doch plausibel: Warum sollte LucasArts die Lizenz im Keller vermodern lassen, wo man sie doch ohne finanzielles Risiko einem anderen Entwickler zur Verfügung stellen und später einen Teil des Gewinnes einstreichen könnte? Anfragen hat es sicher mehrere Gegeben, das Gerangel um die Lizenz scheint nicht unerheblich zu sein. So war Dan Connors von TellTale Games im Inventory-Chat recht erstaunt darüber, dass er nichts von bad brains angeblichen Verhandlungen mit LucasArts wusste. Wolfgang Kierdorf von bad brain sagte hingegen in unserem Interview, dass ein Sam & Max Spiel nicht nur von LucasArts, sondern auch von TellTale und Erfinder Steve Purcell abhinge. Letzterer wiederum hat nämlich, wie beim US-Patentamt nachzulesen ist, die Rechte an den Charakteren Sam & Max und wäre sicher gerne in ein mögliches Projekt involviert. Die Lage ist kompliziert, und im Endeffekt wissen wir Normalbürger überhaupt nichts.



Was ich dagegen weiß, ist, dass Sam & Max alles andere als tot sind. Mit einer subtilen Anspielung, sogar ohne den Namen zu erwähnen, schafft man es auf etliche, auch große, News-Seiten und wird international bekannt. So ist es zumindest bad brain gelungen. Es würde mich kaum wundern, wenn immer mehr Publisher plötzlich anfangen, zu erklären, sie stünden in "Verhandlungen mit LucasArts". Es ginge um eine wirklich "beliebte Lizenz", aber leider könne man "nicht mehr dazu sagen". Und schwups, hat man eine Schlagzeile. Zehntausende lesen die Meldung auf verschiedensten Seiten, die Hoffnung keimt wieder auf, der Name der Firma brennt sich in die Köpfe der Fans. Könnte es doch wahr sein?



Ehrlich gesagt, regt sich bei mir gar nichts mehr, wenn ich solche Andeutungen höre. Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn ich wieder mit Hund und Hase auf Verbrecherjagd gehen und Katzen umstülpen könnte. Aber lebending wird das Duo für mich erst wieder, wenn es eine echte Ankündigung gibt, von LucasArts bestätigt, und jemand, der die Entwicklung finanziert. Zunächst einmal werde ich jedenfalls abwarten und Tee trinken und mich über gute Spiele freuen, die es tatsächlich bis auf meine Festplatte schaffen und nicht versanden wie der Okavango in der Kalahari. Ob Dr. Wolfgang Kierdorf eine Bereicherung der Adventure-Landschaft ist oder eher ein Dr. Uwe Boll der Publisher-Branche, der sich die Ziele besser etwas kürzer gesteckt hätte, werde ich ein anderes Mal entscheiden. Ich wünsche mir jedenfalls ersteres.