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Über den Tellerrand: Her Story

Features

Über den Tellerrand: Her Story
Vom: 03.07.2015

 

Entwickler: Sam Barlow

 

Es ist ein Mordfall, der 1994 viele Fragen aufgeworfen hat: Eine Frau soll ihren Ehemann umgebracht haben. Sieben Mal wurde sie verhört, sieben Mal wurden ihr die unterschiedlichsten Fragen gestellt. Nun, knapp 21 Jahre später, beschäftigt sich wieder jemand mit dem Fall. Was ist damals wirklich passiert? Wie lautet Her Story?


Sagt sie die Wahrheit?

 

Aufgeräumte Oberfläche

Der Entwickler Sam Barlow (u.a. Silent Hill: Shattered Memories) setzt den Spieler vor einen alten Polizeicomputer, der mit der Datenbank aus dem Jahr 1994 verbunden ist. Von den Verhörvideos existieren nur noch einzelne Schnipsel, die jedoch akribisch mit Schlagworten versehen wurden. Über ein Eingabefeld können auf Englisch beliebige Suchbegriffe eingegeben werden, wie etwa „murder“ oder „night“. Das System spuckt dann bis zu fünf Videoclips aus, die zur Suche passen. Gibt es mehr Treffer, muss die Suche verfeinert werden, um weitere Ergebnisse zu erhalten. Noch ungesehene Videos haben ein Auge als Kennzeichnung. Interessante Clips können per Klick zudem in eine getrennte Ablage befördert werden, um sie später schneller zur Hand zu haben. So klickt sich der Spieler Stück für Stück durch die vorhandenen Videoschnipsel und fügt die Informationen langsam zu einem Gesamtbild zusammen. Zwei Textdateien auf dem Desktop des Rechners erklären zusätzlich die Steuerung. Wer die klassischen Bildschirmlinien nicht sehen will, kann zudem in den Einstellungen ein klares Bild festlegen. Eine Datenbank-Übersicht zeigt zudem, wie viele der über 100 Clips bereits angesehen wurden. 
Die Oberfläche von Her Story wirkt perfekt organisiert und ist intuitiv zu bedienen. Schnell hat einen das Fieber gepackt, immer neue Suchbegriffe auszuprobieren und mehr von den Verhören zu sehen. Zettel und Stift werden die meisten dennoch neben der Tastatur liegen haben, um sich wichtige Punkte zu notieren.


Dreh- und Angelpunkt des Spiels:
Die PC-Oberfläche



Spannender Kriminalfall

Die Idee hinter Her Story ist genial und sicherlich eine große Innovation im Adventure-Bereich in diesem Jahr. Dadurch, dass es vollständig dem Spieler überlassen ist, wonach er sucht und welche Videos er sich in welcher Reihenfolge ansieht, entwickelt sich für jeden ein anderes Spielerlebnis. In jedem Fall aber fügt sich langsam Puzzleteil an Puzzleteil. Und nicht selten sitzt der Spieler irritiert oder verwundert vor dem Rechner, wenn eine Information scheinbar so gar nicht zu den bereits gehörten Fakten passen will. Über die Zeit entwickelt sich so ein immer besseres Gefühl für die Frau, die da vor der Kamera sitzt und angeblich einen Mord begangen haben soll. Und gerade, wenn der Spieler denkt, dass er den Fall versteht und nun zum Ende kommt, gibt es nochmal eine überraschende Wendung…


Erst nach vielen Einzelvideos fügt sich
langsam ein Gesamtbild zusammen



Innovativer Aufbau

Auch wenn man dies von einem Kriminalfall erwarten würde: Es gibt keine Auflösung am Ende. Niemand fragt nach der Wahrheit, dem Täter oder dem Tathergang. Es bleibt allein der Fantasie des Spielers überlassen, das Gesehene zu interpretieren. Und das lässt mehrere Deutungen zu, über die es sich vortrefflich diskutieren lässt. So beschäftigt Her Story noch über das Ende hinaus.


Mit geschickten Schlagworten tastet sich
der Spieler langsam vor



Der Englische Ermittler

Bislang ist Her Story nur auf Englisch erschienen, bei den Videos werden Untertitel eingeblendet. Gutes Schulenglisch sollte hier aber ausreichen.


Bislang ist das Spiel nur
auf Englisch verfügbar



Schauspielerische Glanzleistung

Ein Spiel wie Her Story steht und fällt mit der schauspielerischen Leistung. Und die ist fantastisch. Viva Seifert spielt auch kleine Details der Verdächtigen komplett aus, lässt sie glaubwürdig und real erscheinen. Obwohl sie hinter einem Bildschirm im Bildschirm sitzt und stets nur Teile eines Gespräches abgespielt werden, wird das Gefühl erweckt, man säße mit ihr in einem Raum.


Die schauspielerische Leistung
ist beeindruckend



Fazit

Her Story ist eine geniale Idee, die sehr gut umgesetzt wurde. Eine spannende Geschichte zum Mitdenken, eine sehr gute Schauspielerin und eine passende Inszenierung machen den Titel zu einem Muss. Mit den etwa 2-3 Stunden Spielzeit wird das Konzept zudem auch nicht überreizt.

Adventure-Treff Wertung:

Hans Duschl

Kommentare


"Her Story hat mich innerhalb kürzester Zeit sehr tief in seine Spielwelt gezogen. Das einfache Konzept des Spiels macht es sehr einsteigerfreundlich und ist einfach genial. Man muss sich nicht groß mit der Spielmechanik beschäftigen. Vielmehr wird man einfach ins Spiel geworfen. Der Retro-Effekt ist perfekt, Viva Seifert als Schauspielerin grandios. Das wirklich großartige an Her Story ist aber, wie schnell und tief man im Spiel versinken kann. Es gibt praktisch keine Leerlaufphasen, ganz im Gegenteil. Man möchte eigentlich immer mehr und schneller Informationen sammeln und kombinieren. Für mich ist Her Story ein ganz großer Wurf und ich würde mich nicht wundern, wenn das Spiel sowohl Innovations- als auch Überraschungspreise einsammelt."


Michael "neon" Stein


"Innerhalb kürzester Zeit hat mich Her Story gepackt und nicht mehr losgelassen. Die Suche nach neuen Schlagworten, um mehr über bestimmte Ereignisse zu erfahren, hat in mir einen starken detektivischen Ehrgeiz geweckt. Die Geschichte, die sich dabei nach und nach entfaltet hat, fand ich beeindruckend. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist dieses Spiel die Innovation des Jahres."

Hans Duschl

Links:

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Offizielle Webseite