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Slender

Features

Slender
Vom: 03.08.2012

Über den Tellerrand

Entwickler: Parsec Productions

 

Der schwarze Mann im Bildhintergrund

Schon lange bevor das Internet um sich griff, verbreiteten sie sich rasend schnell: Moderne Mythen und Fantasiefiguren. Das prominenteste Beispiel hierfür dürfte wohl das Ungeheuer von Loch Ness sein. Die Sichtungen häuften sich nach ersten Berichten und es dauerte nicht lange, bis die ersten kunstfertigen Bilder des Monsters erschienen. In Zeiten des Internets wird die Mythenbildung um einiges vereinfacht und beschleunigt. In diversen Foren tummeln sich durch Computerprogramme bearbeitete Bilder, die übernatürliche Erscheinungen dokumentieren. Ein blasses Männergesicht zwischen spielenden Kindern, eine riesige schwarze Gestalt im Wald, riesige Meeresmonster, das sind nur drei Beispiele für die kreative Arbeit der Gruselfans im Netz. Eine dieser modernen Grusel-Figuren hat nun ihr eigenes, kostenloses Computerspiel bekommen: Der Slenderman. Erstmals tauchte dieser gesichtslose schwarze Mann in den Foren der Webseite somethingawful.com auf. Zusätzlich zu diesen Bildern kursierte bald die dazu passende Gruselgeschichte, der Slenderman könne seine Gliedmaßen beliebig verlängern und tauche bevorzugt in der Nähe von Kindern auf, die am nächsten Morgen dann verschwunden sind. Die Legende vom Slenderman griff sogar derart um sich, das bald schon die ersten Meldungen über angebliche Sichtungen in der realen Welt auftauchten. Bevor er sein eigenes Spiel erhielt, tauchte der Slenderman in Form des „Enderman“ im Sandkastenspiel Minecraft auf. Auch dort verfolgt er den Spieler heimlich hinter seinem Rücken. Und in die Augen sehen darf man ihm auf keinen Fall. Bereits in dieser Version hatte der schwarze Mann mit den langen Armen viel Horror-Potential, doch richtig gruselig wird es erst in seinem eigenen Spiel Slender. Wir haben einen Blick über den Tellerrand gewagt – und uns ganz schön gegruselt.


Ein Beispiel für den Slenderman,
wie er auf somethingawful.com dargestellt wird





Ganz einfache Mittel – ganz großer Effekt

Slender wird aus der Ego-Perspektive gesteuert. Wie bei Shootern werden die Tasten W,A,S,D zur Fortbewegung genutzt, mit der Maus sieht man sich um. Das Spielgebiet ist nicht besonders groß, jedoch verwirrend und ohne viele markante Punkte angelegt. Der Spieler startet seine Reise in einem dunklen Wald, nur mit einer Taschenlampe ausgestattet, deren Batterien jedoch mit der Zeit leer werden. Das eingeschränkte Sichtfeld, ungewöhnliche Geräusche und merkwürdige Formen im Schatten der Bäume sorgen sofort für ein unbehagliches Gefühl. Hinter jedem Baum könnte der Slenderman lauern. Die einzige Chance, dem Ungetüm vielleicht zu entkommen besteht darin, acht handbeschriebene Zettel auf dem Gelände zu finden, bevor das gesichtslose Ungetüm direkt vor einem steht. Je weiter man im Spiel fortschreitet, desto schwieriger wird es, dem Slenderman zu entkommen. Zwar kann man rennen, jedoch nur für kurze Zeit, denn bald schon ringt der erschöpfte Hauptcharakter nach Luft. Eine perfekte Gelegenheit für den Slenderman, sich von hinten anzuschleichen und…
Bereits ab der ersten Minute ist Slender eine gruselige Angelegenheit. Doch spätestens bei der ersten Sichtung der Kreatur beschleunigt sich der Puls deutlich, selbst bei mehreren Durchläufen. Die Grafik ist akzeptabel, der Sound minimalistisch, eine Hintergrundgeschichte ist so gut wie nicht vorhanden und doch beeindruckt der Independent-Titel nachhaltig. Das Spiel mit einer der Ur-Ängsten der Menschen, eine Verfolgung im Dunklen, geht hervorragend auf. Spieler, die sich gerne gruseln, sollten auf jeden Fall einen Blick auf Slender werfen. Beziehungsweise, den Blick am besten abwenden, denn sonst… Moment, was war das für ein Geräusch in meinem Garten?! Da steht etwas zwischen den Büschen, bei dem alten Springbrunnen! Oh nein! Ich muss



Links: Slender auf der offiziellen Webseite herunterladen (kostenlos)

Hans Duschl