Anzeige
King's Quest III Fanadventure-Remakes

Features

King's Quest III Fanadventure-Remakes
Vom: 28.07.2011

1986 erschien mit To Heir Is Human Sierras dritter Teil der King's-Quest-Saga. 20 Jahre später veröffentlichten Infamous Adventures 2006 ihr gleichnamiges Fanadventure, während AGDInteractive Ende Februar 2010 ihre Neuinterpretation mit dem Zusatztitel Redux zum kostenlosen Download zur Verfügung stellten. Wir haben beide Versionen verglichen und stellen euch die Unterschiede, Vor-und Nachteile gegenüber dem Original vor.

Was lange entwickelt wird, wird endlich gut

Wie bei vielen großen Fanadventure-Projekten üblich, steckt hinter beiden Produktionen eine lange Entwicklungszeit. Bei Infamous Adventures fiel diese von 2004 bis 2006 mit 2 Jahren relativ gering aus, während AGDInteractive von 2002 bis 2011 ganze 9 Jahre an ihrem Spiel arbeiteten. Der Grund für diese lange Zeitspanne waren nicht nur viele Zwangspausen wegen personellen Umstrukturierungen, sondern auch eine andere Zielsetzung. Im Gegensatz zu IA, die bis auf einige Ausnahmen eine 1:1-Kopie des Sierra-Spiels im Fokus hatten, werkelten AGDI an einer Weiterentwicklung der Story, Charaktere und Puzzles.


Links: (IA) Auf den ersten Blick ähneln sich beide Fassungen...
Rechts: (AGDI) ...doch hinter dem Startbildschirm finden sich viele Änderungen.

Eine altbekannte Geschichte aufgewärmt oder neu erzählt?

Die Hauptgeschichte und Ausgangssituation ist in beiden Fassungen dieselbe. Im Land Llewdor, fernab des in den Vorgängern als Schauplatz dienenden Königreichs Daventry, lebt der Junge Gwydion unter der Tyrannei seines Meisters Manannan. Dieser böse Zauberer hat es sich zur Angewohnheit gemacht, Babys von ihren Eltern zu stehlen und die Heranwachsenden für die Arbeit in seinem Haus zu missbrauchen. Vor ihrem 18. Lebensjahr tötet er sie. Also muss Gwydion rechtzeitig einen Weg finden, seinem Schicksal zu entfliehen. Sowohl IA als auch AGDI zeigen dem Spieler ein atmosphärisches Intro, in dem Manannan Gwydion im Babyalter stiehlt, was im Sierra-Original nicht zu sehen ist. Danach hält sich das erste Remake genauer an die Vorlage und bietet keine zusätzlichen Storysequenzen, Charaktere oder Schauplätze. Redux beschreitet hier einen anderen Weg. So steht es Gwydion frei, in kleinen Unterhaltungen mit seinem Meister sowie mit den Bewohnern der Insel zu sprechen. Die Möglichkeit, mehr über die Umgebung und die Vergangenheit zu erfahren, kommt demnach der Lebendigkeit und Glaubwürdigkeit der Spielwelt zugute, während die Geschichte kohärenter und spannender erzählt ist.

Storytelling

IA:

AGDI:


Links: (IA) Der Shop bietet gewohnte Zauberhausmannskost
Rechts: (AGDI) Der Ladenhüter ist einem Plausch nicht abgeneigt

Altes Gameplay in neuer Form

Ein Feature, das King's Quest III von seinen Vorgängern abgrenzt und unverändert in beiden Remakes zu finden ist, ist das Echtzeit-Gameplay. Am oberen Bildschirmrand zeigt eine Uhr an, wieviel Zeit in der Spielwelt verstreicht. Dies hat sowohl positive als auch negative Folgen für den Spielablauf, denn einerseits steigt die Spannung, wenn Manannan für einige Zeit verreist oder sich zum Schlafen hinlegt, während Gwydion versucht, die Umgebungen nach Zutaten für hilfreiche Zauber zu finden. Andererseits gibt es einige nervige Stellen im Spiel, bei denen auf ein bestimmtes Ereignis gewartet werden muss, wie das Vorbeifliegen eines Adlers oder Gespräche zwischen Nebencharakteren, ohne die die Handlung nicht weitergeführt werden kann. Das Originalspiel sorgt mit solchen Szenen gelegentlich für viel Frust, wenn nicht bekannt ist, auf was genau gewartet werden muss. Die Remakes umschiffen dieses Problem größtenteils, wobei hier eindeutig Redux ein flüssigeres und nachvollziehbareres Spielerlebnis bietet. Denn in IAs Version ist wie im Original nicht klar, wann der böse Zauberer nun zurückkommt und wie viel Zeit Gwydion noch bleibt, um seine Spuren zu verwischen und alles Nötige vorher zu erledigen. Das mag zwar realistischer sein, doch so kann es auch passieren, dass der Spieler erst mit seinem Ableben feststellt, zu welchem Zeitpunkt er was hätte erledigt haben müssen. In Redux wird anhand farblicher Markierungen der Spielzeit angezeigt, wann Gwydion mit der Ankunft von Manannan rechnen kann. So bedeutet Gelb, dass er so langsam wieder ins Haus zurück muss und Rot, dass der Zauberer ganz in der Nähe ist. Weiterhin sind im neuesten Remake die Zeitabstände von bestimmten Ereignissen weniger groß, sodass diese zügig stattfinden und kein unnötig langes Warten erfordern. Denn wie im Original kann es in IAs Spiel mitunter vorkommen, dass trotz der höchsten Spielgeschwindigkeitseinstellung minutenlanges Nichtstun verlangt wird.

Gameplay

IA:

AGDI:


Links: (IA) Ein vertrautes Gesicht der Konkurrenz als Easteregg versteckt
Rechts: (AGDI) Geduldigen und auch genervten Spielern dürfte diese Trigger-Sequenz bekannt vorkommen

Bewährte Puzzles oder alternative Lösungswege?

Nicht nur beim Gameplay, der Story und den Charakteren gibt es einige Neuerungen, auch die Puzzles unterscheiden sich in AGDIs Fassung insofern von Original und erstem Remake, als dass es einige neue Rätsel oder Variationen gibt. Ob diese nun unbedingt zum Originalspiel passen, dürfte jeder Spieler für sich selbst herausfinden. Abwechslungsreich und anspruchsvoll sind sie meistens schon, sodass sich der Schwierigkeitsgrad mehr an fortgeschrittene Spieler richtet. Wo Kenner von Sierras Spiel in IAs Version zügig vorankommen, werden diese in Redux vor größere Herausforderungen gestellt, da nicht alle Gegenstände an bekannten Orten versteckt sind und die Spielwelt mit neuen Charakteren und Orten um einiges umfangreicher und komplexer ausfällt. Zusätzlich wurden im neuesten Remake einige leere Bildschirme entfernt, sodass sich Gwydion beispielsweise in einer Wüste nicht mehr verlaufen kann.

Puzzles

IA:

AGDI:


Links: (IA) Der berüchtigte Sterben-bei-jedem-Schritt-Pfad in der entschärften Fassung
Rechts: (AGDI) Kein Warten mehr darauf, dass der Adler Federn lässt

Steuerung aus der Steinzeit in der Neuzeit?

Die Point-and-Click-Steuerung ist in beiden Fassungen gut gelungen und ersetzt das in der Originalversion mühsame Eintippen und die Bewegung der Spielfigur mit den Pfeiltasten. Mit der rechten Maustaste klickt sich der Spieler durch Symbole, die für Aktionen wie Ansehen, Sprechen oder Benutzen stehen, während die linke Maustaste zur Navigation der Hauptfigur dient. Das Inventar lässt sich ebenfalls in beiden Versionen am oberen Bildschirmrand öffnen. Einzige Steuerungsprobleme können auftreten, wenn Gwydion einen Pfad, eine Treppe oder dergleichen begehen muss. Denn ein Klick auf den Bildschirmausgang lässt ihn öfters in einen Abgrund und damit in den sicheren Tod wandern. Natürlich gehört es zum alten Spielgefühl, dass diese Wege mit Vorsicht zu genießen sind, allerdings stellt sich selbst mit der Maussteuerung teilweise Frust ein, wenn die Spielfigur doch anders reagiert und einen Pixel zu weit geht. Beide Entwicklerteams haben sich allerdings dazu entschieden, einige Passagen zu entschärfen, sodass Frust weniger häufig aufkommt. Einsteigerfreundlicher ist im Gegensatz zum neuen Remake das Verwenden von Zauberrezepten, denn in IAs Fanadventure genügt es einfach, alle Zutaten beisammen zu haben und dann auf das entsprechende Rezept zu klicken. Redux hält sich näher an die Vorlage, sodass jeder einzelne Schritt wohl überlegt sein sollte und eine falsche Reihenfolge, Zutat oder Anwendung zum sofortigen Spielende führt. Netterweise kann der Spieler in AGDIs Fassung eine Auflistung der Zutaten und deren Verwendung sehen, während er diese mischt. Im ersten Remake liest Gwydion diese schlichtweg vor, sodass der Spieler ein gutes Gedächtnis besitzen oder sich Notizen machen sollte.

Steuerung

IA:

AGDI:


Links: (IA) Zaubern nach Bildern
Rechts: (AGDI) Zaubern nach Text

Grafik und Sound in neuem Gewand

Grafisch bieten beide Spiele schönere Hintergründe und Figuren als das Original, wobei Redux bei den besser gezeichneten Charakterportraits, die während der Dialoge erscheinen, und mit ein wenig mehr Einfallsreichtum bei den Schauplätzen punkten kann. IAs Fassung kann dagegen mit einigen netten Partikeleffekten wie Schnee aufwarten. Die musikalische Untermalung in Form von MIDI-Stücken ist in beiden Spielen sehr gut gelungen. Dasselbe gilt für die Sprachausgabe, denn teilweise sorgen sogar Originalsprecher von Sierra-Titeln für die nötige Professionalität. Ab und zu gibt es leider ein paar Probleme mit der Tonqualität, die auf unterschiedliche Aufnahmequellen schließen lässt. Die Sprecher sind jedoch meist motiviert und es gibt bis auf die ein wenig emotionslose Hauptfigur in Redux und den Erzähler in IAs Spiel selten Ausfälle.

Grafik/Sound

IA:

AGDI:


Links: (IA) Bilderbuch-Landschaft mit schön animierten Schneeflocken
Rechts: (AGDI) Nanu, gehört das nicht zu einem anderen Spiel?

Ein 1:1 Remake oder eine alternative Version?

Es ist schwer, eine eindeutige Empfehlung für eins der beiden Remakes auszusprechen. Wer nur eine technisch überarbeitete Version von Sierras Originalspiel mit heruntergeschraubtem Schwierigkeitsgrad haben möchte, ist mit IAs Fassung gut bedient. Allerdings bieten AGDI mit ihrer Neuinterpretation eine deutlich längere Spielzeit mit alternativen, manchmal anspruchsvolleren Puzzles und einem besseren Storytelling. Obwohl letzteres Puristen an einigen Stellen vielleicht missfallen könnte, ist es eine interessante Neuentdeckung eines Fantasy-Klassikers.

Insgesamt

IA:

AGDI:

Spielzeit
IA: 2-3 Stunden
AGDI: 4-5 Stunden

Zum Download von IAs Remake
Zum Download von AGDIs Remake

Sascha 'nufafitc' Pongratz