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Flucht von Monkey Island

Vorschau

von  feuer
23.07.2000
Flucht von Monkey Island
Guybrush is back! Und LeChuck auch! Und Elaine auch! Und Stan! Und Murray! Und Monkey Island, und...
LucasArts will mit seinem neuersten Adventure wohl nichts dem Zufall überlassen. In Escape from Monkey Island (EMI), dem 4. Teil der berühmten Piraten-Saga, treffen wir viele alte Bekannte an bekannten Orten. Also ein billiger Aufguss? Von wegen!

Die offensichtlichste Änderung seit The Curse of Monkey Island (CMI) ist sicherlich die Grafik. Strotzten die ersten beiden Teile noch vor Pixel, erstrahlte der dritte Teil in bonbonfarbigen Cartoon-Zeichnungen und filmreichen Animationen. Für den 4. Teil wagt auch der Möchtegern-Pirat mit dem bescheuerten Namen Guybrush Threepwood den Schritt in die 3. Dimension. Wie sein Arbeitskollege Simon the Sorcerer zu sagen pflegt: 2D ist so was von passé!

Ein 3D-Echtzeitadventure a la Simon 3D besteht uns aber dennoch nicht bevor, (glücklicherweise) entschied sich das Entwicklerteam für eine Mischung, wie sie schon im hervorragenden Grim Fandango eingesetzt wurde - die Charaktere bestehen aus 3D-Polygonen und bewegen sich über wunderschöne, vorgerenderte Hintergründe. Der Comic-Stil wurde beibehalten, die einzigartigen Wolken von CMI sind sofort wiederzuerkennen, und die bisher veröffentlichten Screenshots sprühen nur so vor Farbenfreude.

Für viele ist das allerdings alles andere als ein Grund zur Freude. Zu recht, denn verbreiteten die ersten beiden Teile noch wirkliches Piraten-Flair mit Duellen, einer seriösen Grafik und einem Bart-tragenden Guybrush, erinnert der 3. und vor allem 4. Teil mehr an ein Produkt für Kindergärtner. Eigentlich hätte EMI den Namen nicht verdient - ein Monkey Island ist das Spiel nicht mehr.

Und das hört nicht bei der Grafik auf. Die Story von Monkey Island nahm sich zwar noch nie sehr ernst, aber was dieses mal auf die Beine gestellt wurde, grenzt schon fast ans Lächerliche.
Die Story schließt direkt an das Ende des 3. Teils an, die frisch verheirateten Elaine Marley und Guybrush kehren nach Melee Island zurück (jawohl, die Insel feiert ein furioses Comeback in MI4 - zusammen mit einigen Charakteren wie die Schwertmeisterin Carla - für Fans allein schon ein Grund, sich das Spiel zuzulegen) und müssen dort entdecken, dass Elaine in ihrer Abwesenheit für Tot erklärt wurde und ihr Gouverneurshaus zum Abriss freigegeben wurde. Und wenn das noch nicht genug wäre, versucht auch der schleimige Charles L. Charles, ihren Platz einzunehmen. Auch LeChuck ist wieder irgendwie in diese Sache verwickelt, allerdings bewahren die Entwickler darüber noch Stillschweigen. Ein müdes 4. Duell Guybrush - LeChuck steht uns also nicht bevor.
Während sich sich Elaine schnellstens um die Annullierung ihres Totenscheins und ihre Wiederwahl bemüht, wendet sich Guybrush anderen Aufgaben zu. Was das für welche sein werden, ist nicht bekannt. Es dreht sich allerdings um einen australischen Ranchbesitzer, der versucht, die Pirateninseln in eine Kapital- und Vergnügungsgesellschaft umzuwandeln, um mit der ultimativen Beleidigung das ganze Inselreich ins Inselreich zu stürzen.
Kurz durchatmen.
Klingt absurd, lächerlich? Ist es auch. Dazu muss aber eines gesagt sein. Nach dem Weggang von Larry Ahern und Jonathan Ackley, die für den 3. Teil verantwortlich waren (Ron Gilbert, Erfinder von Monkey Island, hat LucasArts ja schon vor Jahren verlassen), kümmern sich dieses mal Michael J. Stemmle und Sean Clark, die sich auch für Sam & Max - Hit the Road verantwortlich zeigten, um den 4. Teil der Monkey Island-Serie.

Noch ein Wort zur Grafik. Obwohl für EMI die Grim Fandango Engine (GRIME) verwendet wird, haben sich die Designer das Kritik der Presse und der Fans an der schlechten Steuerung zu Herzen genommen und versucht, sie zu verbessern. So muss man zwar immer noch auf die Maus verzichten, allerdings werden die HotSpots in Guybrushs Umgebung wieder am unteren Bildschirmrand angezeigt. Sollten sich mehrere HotSpots in der näheren Umgebung befinden, kann man dann bequem auswählen. Das Inventar zeigt nun auch nicht mehr nur ein Objekt an wie in Grim Fandango, dass in elendslangen Durchgeklicke endetet, sondern zeigt in einem Kreis alle Gegenstände an, die Guybrush bei sich trägt. Wengistens übersichtlicher! Trotzdem sicherlich ein Rückschritt gegenüber CMI, dass wohl die einfachste Bedienung besaß, die es für ein Adventure geben konnte.
Die 3D-Beschleunigung wird in EMI übrigens kein kleiner Scherz mehr sein! Ob eine 3D Karte Voraussetzung ist, ist bisher noch offen.

Das große Fragezeichen steht momentan noch hinter der Musik von EMI. In den drei ersten Teilen ließ sich immer Michael Land erstklassige karibische Klanguntermalungen für das Piratenabenteuer einfallen, aber auf seine Künste wird der vierte Teil wohl verzichten müssen, da Michael Land LucasArts vor einigen Wochen (wir berichteten) den Rücken kehrte. Ebenso wie sämtliche andere Musiker von LucasArts - ob zu diesem Zeitpunkt die Musik für EMI schon im Kasten war, ist fraglich, aber eher unwahrscheinlich - die Musik kommt in der Regel immer als letztes dran.

Insgesamt werden vier Inseln zu besegeln sein - Melee, Monkey, Lucre (Geld) und Jambalaya Island. Zwei bekannte, zwei neue - eine gute Mischung.
Auch einige alte Charaktere werden wieder mit dabei sein. So wird Gebrauchtschiff-,sarg- und versicherungs-Verkäufer Stan ebenso ein Stelldichein geben wie die Voodoo-Priesterin und Hermann Toothrot. Diese Truppe wird ergänzt durch neue Charaktere wie zum Beispiel den Tauchrichtern oder den Anwälten.

Gesprochen wird mit diesen Personen wie eh und je - aus einer Liste von mehreren Auswahlmöglichkeiten kann der Spieler einen Satz wählen, den Guybrush seinem gegenüber dann an den Kopf wirft und eine dementsprechende Antwort bekommt - warum auch etwas ändern, dass funktioniert?

Die Beleidigungskämpfe von MI1 und CMI werden ebenfalls wieder zurückkehren, dieses mal allerdings in Form von Armdrücken. Ob Schwertkämpfe auch dabei sind, ist noch nicht klar. Hoffentlich schon, denn Schwertkämpfe passen einfach viel mehr zu Piraten als Armdrücken. Hauptsache, die Beleidigungen müssen sich nicht reimen wie in CMI. Die Spritzigkeit und der Humor der Dialoge soll in EMI seinen Vorgänger in nichts nachstehen, laut den beiden Head-Designern wird sich der 4. Teil aber wieder mehr an die ersten beiden Teile halten - hoffen wir es!

Der wichtigste und beste Punkt der ersten drei Teile wurde zum Glück auch nicht vergessen: Der typische salzige Monkey Island Humor wird es auch in der 4. Runde wieder geben, und damit ist eigentlich alles gesagt - das Spiel muss gekauft werden, der Humor von Monkey Island ist einfach derart legendär und schlichtweg genial, dass er alle anderen Kritikpunkte ausmerzen kann. Dazu kommt noch, dass der Humor noch um einige Grade schärfer und schwärzer werden wird, denkt man an Sam & Max - Hit the Road!

Ein weiterer wichtiger Punkt ist natürlich die Lokalisation des Adventure-Titels. Hier gilt ähnliches wie bei der Musik: Nach dem Weggang von Christian Schneider von THQ (Projektleiter bei der Übersetzung und Lokalisation von CMI) ist noch offen, wer für die - hoffentlich wieder so makellose - Übersetzung bei Softgold zuständig ist. Bisher zeichneten sich auch die Übersetzungen immer durch Glanzleistungen aus.

Genauso wie die Jungs von LucasArts - dass sie wissen, wie man gute Adventures macht, haben sie bereits zur Genüge bewiesen, und auch mit EMI scheint die Serie hochklassiger Adventure nicht abzureißen. Leider werden wir uns aber endgültig von einem Piratenabenteuer verabschieden müssen...

Wenn alles klappt (und bei LucasArts halten sich - im Gegensatz zu anderen Spielefirmen Verzögerungen zum Glück meistens im erträglichen - Ausnahme Jedi Knight) können wir bereits im November wieder die Segel Richtung Karibik setzen und uns kalte Winternächte mit dem aberwitzigen Adventure um die Ohren schlagen.

Sieht gut aus