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Al Emmo and the Lost Dutchman's Mine

Vorschau

von  Jan "DasJan" Schneider
27.04.2006
Al Emmo and the Lost Dutchman's Mine
Im Jahr 2001 sorgte in der noch kleinen Fanadventure-Szene ein VGA-Remake von King's Quest für Aufsehen: nicht nur, dass man das erste moderne Grafikadventure mit sierratypischem Mausinterface nachspielen konnte, es sah auch noch aus wie ein Original-Sierraspiel der frühen 90er-Jahre. Kurz nach der Veröffentlichung wurde sogar Sprachausgabe nachgerüstet. 2003 folgte ein Remake des Nachfolgers King's Quest II, das das Original um jede Menge Rätsel und ganze Spielabschnitte erweiterte und wohl das bis dahin professionellste Fanadventure war. Hinter den Spielen stand das Team "Tierra", dessen Mitglieder sich als "Anonymous Game Developer" tarnten.
Dies änderte sich jedoch, als "Anonymous Game Developer 1" ihre eigene Firma gründete und mit Al Emmo and the Lost Dutchman's Mine ein kommerzielles Projekt startete, das in diesem Jahr erscheinen soll. Britney Brimhall, so ihr bürgerlicher Name, hat jetzt ihren Europaurlaub genutzt, um uns zusammen mit Teamkollege Stijn van Empel die aktuelle Version ihres neuen Spiels zu präsentieren. Die ersten Eindrücke wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten.
DasJan (links) und Britney Brimhall

Alte Schule

Al Emmo ist ein Spiel der alten Schule, das spielerisch der goldenen Adventure-Hochzeit entstammen könnte, dem allerdings nichts von der spröden Pixelpatina der VGA-Zeit anhaftet. Der liebenswürdige Trottel Al Emmo, den der Spieler auf der Suche nach einer Partnerin durch den Wilden Westen begleitet, könnte der Feder von Larry-Erfinder Al Lowe entsprungen sein, muss er sich doch selbst vom Erzähler ständig schnippische Bemerkungen anhören, die unmissverständlich klar machen, für wie aussichtsreich er die Bemühungen des sympathischen Antihelden hält.
Die Hintergründe des Wüstenkaffs Anozira, in dem sich die Geschichte abspielt, sind liebevoll gezeichnet, wirken trotz ihrer Detailfülle in einer Zeit, in der das Auge mehrheitlich Rendergrafik und Echtzeit-3D gewohnt ist, erfrischend altmodisch und dürften das Herz von Freunden früherer Adventuregenerationen höher schlagen lassen. Zwischensequenzen bietet das Spiel in zwei Spielarten: manche Szenen werden in Form von Comics wiedergegeben, die sich Stück für Stück auf dem Monitor manifestieren, andere sind durch 3D-Animationen realisiert.

Ein bisschen Spaß muss sein

Die größte Stärke des Spiels schienen uns jedoch die Texte zu sein. Hierfür zeichnet Daniel Stacey verantwortlich, der bereits hervorragende Arbeit bei der Ausformulierung des King's-Quest-II-Remakes leistete. Das äußerst humorvolle Zusammenspiel von Erzähler, Protagonist und Nicht-Spieler-Charakteren, die vielseitigen und originellen Objektbeschreibungen und das ein oder andere Easteregg sorgten während der Präsentation mühelos für eine höhere Lacherquote als beispielsweise bei Wildwest-Konkurrent The Westerner. Dem stand auch nicht das Manko im Wege, dass einige englische Wortspiele, das Lispeln des Antonia-Banderas-Lookalikes oder die Parodie auf den Sheriff von Phoenix in Deutschland wohl von den Wenigsten in Gänze verstanden werden.
Für die mühevoll von Hand lippensynchronisierte Sprachausgabe konnten die Himalayas den vielseitigen Sprecher John Bell gewinnen, der gleich mehrere Rollen übernahm. Musikalisch begleitet wird der Spieler von Stücken des Lewandowski-Ehepaars, das als Quest Studios bereits etliche Sierra-Soundtracks aufbereitet hat.

Bald gehts los

Am Massenmarkt produziert Britney Brimhall mit ihrem Team höchstwahrscheinlich vorbei, zumal bisher mangels Publisher alles nach Eigenvertrieb über das Internet aussieht. Wer aber auf modernen Grafikbombast zugunsten klassischer Comicgrafik in 640x480 Pixeln verzichten kann und treffsicheren englischsprachigen Humor in Spielen samt Popkultur-Referenzen und Insidergags für alteingesessene Adventure-Aficionados nicht für eine Erfindung des Teufels hält, der sollte Al Emmo unbedingt im Auge behalten: in den nächsten 2 oder 3 Monaten dürften die ersten Boxen das sonnige Arizona verlassen.

Infokasten

Quest for Glory II

Wer die Sierra-Remakes von Tierra verfolgt hat, dem dürfte nicht entgangen sein, dass Tierra inzwischen AGD Interactive heißt, als Fanadventure-Schmiede von Vivendi offiziell anerkannt wird und vor geraumer Zeit ein VGA-Remake zum Sierraklassiker Quest for Glory II angekündigt hat. Auch hiervon durften wir die aktuelle Version anspielen, die ganz in alter Tierra-Tradition wieder so aussieht, als hätte Sierra selbst Hand angelegt. Wie Al Emmo soll auch dieses AGS-Projekt so gut wie fertig sein und noch 2006 erscheinen.



Himalaya Studios
Sieht gut aus