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Darkstar

Vorschau

von  Sebastian 'basti007' Grünwald
27.09.2005
Darkstar
Bereits seit fünf Jahren werkelt die kleine Firma Parallax Studio an ihrem ersten Science Fiction Adventure mit dem Titel Darkstar. Wir durften einen ersten Blick auf das Spiel werfen.

Kleines Team - große Vision

Darkstar ist ein interaktiver Spielfilm, wie sie Mitte der 90er Jahre populär waren, d.h., Schauspieler agieren vor künstlichen, vorgerenderten Hintergründen. Die Produktion dieser Spiele ist ziemlich aus der Mode gekommen - vor allen Dingen, weil die Kosten für Spielentwicklung und Filmdreh nicht unerheblich waren. Umso erstaunlicher ist es, dass Parllax Studio Chef Jeff Allen Williams das Projekt von sich aus schultern möchte. Dabei übernimmt Williams nicht nur das Script sondern auch die Regie und die Produktionskosten - bislang ohne Publisher. Dass ein Spiel von einem kleinen Team wie Parallax mit einem deartigen Risiko im Budget nicht mit den Großen mithalten kann, ist verständlich.

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Umso erstaunlicher ist die Qualität der Filmsequenzen, die wir bislang ansehen konnten. Zwar sind die Renderings der Raumschiffe relativ steril, und das Interieur häufig äußerst knallig bunt und fantastisch gestaltet, so dass man manchmal das Gefühl hat, die Grafiker hätten mehr Wert auf verrücktes Design als auf Realismus gelegt - ein Aspekt, der bereits bei den interaktiven Spielfilmen der 90er häufig kritisiert wurde. Jedoch ist die Qualität, die Parallax mittlerweile erreicht nicht mehr mit den Spielen dieser Ära vergleichbar. Agierten die Schauspieler damals früher noch in steifen Einstellungen von häufig verschwommenen Hintergründen sind die Akteure diesmal mit erstaunlicher Liebe zum Detail in die hochauflösende, futuristische Landschaft integriert. Dabei nimmt sich die Kamera alle Freiheiten, die es gibt: Zoomen, Schwenken, wilde Fahrten, Schärfeeinstellungen oder wildes Gewackel - die Perspektive wirkt dabei so authentisch, dass man den künstlich aussehenden Bildern den Realismus dennoch abnimmt. Auch ansonsten merkt man Parallax die Herkunft aus dem Film- und Werbebereich deutlich an: Es wird mit Effekten gespielt, wo gespielt werden kann - ein kinoreifer Creditvorspann, brennende Buchstaben, Bewegung und Details, wohin das Auge sieht oder Nachrichtendesign im Stile von "Starship Troopers" sind ein Fest für jeden Video Compositing Fan. Etwas mehr Finetuning könnten jedoch die manchmal noch etwas geradlinigen Flugbahnen der Raumschiffe und Laserschüße vertragen.

Zurück in die Zukunft

In wie weit Darkstar nun Film oder Spiel sind wird, ist an dieser Stelle noch nicht zu sagen, denn außer den Filmsequenzen gab es noch nicht viel zu sehen: Das Spiel wird aus der Ego-Perspektive gespielt werden und dabei über 360° Panorama-Views verfügen, wie man sie z.B. aus Black Dahlia oder Myst kennt. Die Filmsequenzen selbst sind dabei meist 3rd Person. Das Spiel soll aus vier eigenständigen Phasen bestehen. In der ersten Phase erwacht der Spieler aus einem 300-jährigen, kybernetischen Schlaf. Mit dem im All trudelnden Raumschiff, auf dem er sich befindet, muss etwas merkwürdiges vorgefallen sein: Leichen liegen überall auf dem Boden, doch der Protagonist kann sich beim Besten Willen an nichts mehr erinnern. Einer der ersten Aufgaben wird es sein, dass verunglückte Schiff, die Westwick, wieder betriebsfähig zu machen. In der zweiten Phase wird der Spieler mit einem Shuttel auf einem Planeten landen, um Wasser zu besorgen - natürlich wird es dabei nicht ganz ohne Komplikationen abgehen: So entdeckt der Spieler u.a. eine fremde Alienrasse. In der dritten Phase kehrt der Spieler zur Westwick zurück - just in dem Augenblick wird das Raumschiff angegriffen. In der letzten Phase des Spiels wird der Spieler schließlich den Grund für den Flug der Westwick und seine wahre Bestimmung ermitteln - allzuviel soll an dieser Stelle aber noch nicht verraten werden. Insgesamt konnten wir bereits Einleitungssequenzen zu zehn Kapiteln sehen, die sich über diese vier Phasen verteilen. Dabei wird es wohl auch einige Zeitreise-Elemente geben, wie die unterschiedlichen Zeitangaben zu Beginn jedes Kapitels (von 2100 bis 2200) vermuten lassen.

Im Musikrush

Nicht wenig kosten lassen hat sich Parallax auch die verpflichteten Künstler. So liefert die Rockgruppe Rush beispielsweise den Soundtrack. Zuerst wirken die harten Gitarrenklänge noch etwas befremdlich, jedoch stört der Gesang im Hintergrund erstaunlich wenig und gibt dem Spiel einen eher rebellischen, jugendlichen Touch. Einige Sequenzen wurden zudem zusätzlich von Jimmy Pitts mit orchestralen Klängen abgemischt, so dass eine ganz gute Symbiose aus beiden Welten entsteht. Das Spiel soll übrigens in Dolby Digital 5.1 erscheinen. Und während das letzte große interaktive Spielfilmprojekt (Conspiracies) noch auf Laiendarsteller zurückgreifen musste, kann Darkstar immerhin mit der B-Riege aufwarten: Der Spieler wird von Clive Robertson verkörpert, der Soap-Fans noch als Ben Evans aus Sunset Beach bekannt ist. Ebenfalls zu finden sind z.B. Peter Graves aus Mission Impossible oder Trace Beaulieu aus Mystery Science Theater 3000 - The Movie (der in Deutschland u.a. durch Oliver Kalkofe synchronisiert wurde).


Fazit

Mit Sicherheit ist Darkstar nicht für jeden Geschmack geeignet. Wer mit Science Fiction oder gerenderten Grafiken im Zukunftsstil nichts anfangen kann, ist vielleicht mit Darkstar nicht so gut bedient. Freunde von Adventures in Ego-Perspektive und langen und aufwendigen Filmsequenzen sollten das Weltraum-Abenteuer jedoch mal im Auge behalten, bis nähere Details darüber zu erfahren sind. Letztlich bleibt nur zu sagen, dass Darkstar ein ehrgeiziges Projekt ist, das bestimmt schon viel Geld verschlungen hat. Da es in letzter Zeit relativ wenige Science Ficition Adventures gegeben hat - und noch weniger mit echten Schauspielern, kann man dem Team um J. Allen Williams nur alles Gute Wünschen. Und hoffen, dass sich für das Spiel doch noch ein Publisher findet.



Interview mit Jeff Allen Williams Offizielle Webseite
Sieht gut aus