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Tanita: Plasticine Dream

Vorschau

von  Sebastian 'basti007' Grünwald
14.02.2007
Tanita: Plasticine Dream

Alles so schön bunt hier!

Waah! So muss sich die Sesamstraße auf Koks anfühlen: Alles auf dem Bildschirm ist einfach nur knallbunt, überall dreht und wabbelt es, aus den Boxen dröhnt ohrenbetäubende Akkordeon-Tanzmusik, links fangen im Hintergrund irgendwelche Berge zu brennen an und von rechts beschießt mich ein entenartiges Wesen mit Toiletten-Pümpeln. Eins ist „Tanita - Plasticine Dream“ ganz sicher nicht: Ganz normal.

Ist das der Sonderflug zur Knetinsel?

Tanita ist ein junges Mädchen, das vom Reisen träumt. Und kaum ist sie eines Nachmittags in ihrem Sessel eingeschlummert, befindet sie sich auch schon in einem Flugzeug mit dem Reiseziel Südsee! Doch das Glück wehrt nicht lange und ihr Flugzeug stürzt unvermittelt ab. Doch Tanita ist Gott sei Dank nichts passiert und landet somit auf einer geheimnisvollen Insel. Soweit zur trivialen Story.

Bitte nicht sprechen!

Was folgt sind einige kindgerechte Sequenzen auf besagtem Eiland, mit mehr oder minder skurrilen Charakteren und banalen Rätseleinlagen. Wie zum Beispiel das Gießen von Anbaufeldern mit Wasser (um dadurch neue Gegenstände wie eine Karotte zu erhalten). Wirklich logisch sind die Rätseleinlagen nicht immer. So lässt sich eine Gießkanne zwar mit Wasser füllen – den Versuch eine andere Gießkanne oder einen Kochtopf unter den Wasserhahn zu halten quittiert Tanita dagegen mit einem Schulterzucken. Überhaupt kommt das russische Adventure (zumindest in der uns vorliegenden Presseversion) vollständig ohne Worte aus. Damit ist Plasiticine Dream auch für Spieler interessant, die dem Russischen nicht mächtig sind. Außerdem dürfte eine Lokalisation außerhalb Russlands durch den geringeren Aufwand in greifbare Nähe rücken. Die Steuerung erfolgt klassisch per Point´n´Click, das Inventar wird über die rechte Maustaste geöffnet. Kinder werden also sehr schnell mit Tanita zurechtkommen.

Die Fabelhafte Welt der Knete

Dass sich Tanita tatsächlich eher an Kinder wendet wird schon durch die angesprochene farbenfrohe Vielfalt des Settings deutlich. „Tanita – Plasticine Dream“ ist –wie der Name schon sagt- ein Spiel der seltenen Gattung „Knet-Adventure“, deren bekanntester Vertreter wohl bislang „The Neverhood“ sein dürfte. Ein Großteil der Locations wie auch Tanita selbst bestehen also aus abfotografierten, knallbunten Knetmodellen, die mit Hilfe der Stop-Motion-Technologie animiert wurden. Und animiert wird bei Tanita viel. Jede Szene besteht aus duzenden kleinen Animationen: Vorbeiziehende Wolken, sich drehende Blumen oder zig kleinere Tierchen, die den virtuellen Inselboden bevölkern – bei Tanita ist kein Bild statisch. Dazu gesellt sich ein durchgeknallter Akkordeon-Soundtrack, der geringfügig an „Die Fabelhafte Welt der Amélie“ erinnert – nur ein bisschen aufdringlicher und „hipper“. Für Kinder sind die Ohrwürmer vielleicht genau das Richtige, erwachsene Adventurespieler können das Dauergedudel natürlich auch abstellen.

Ich mach mich platt!

Damit man die Animationsvielfalt auch wirklich genießen kann bietet Tanita eine breite Auswahl unterschiedlichster Auflösungen an. Von 320x200 für Pixelnostalgiker bis 1280x800 ist alles drin. Das ist vorbildlich. Doch auch wenn jede Szene wirklich mit vielen niedlichen, verspielten Details bestückt ist, wird man mit dem Animationsstil nicht unbedingt 100%ig warm. Die bunten und hell ausgeleuchteten Locations verspielen sich jeden Tiefeneindruck, da hilft leider auch das gut gemeinte „Parallax Scrolling“ mit mehreren Tiefenebenen nicht weiter. Doch vielleicht ist auch gerade dieser plakative 2D-Comic-Look das, was den Kindern und den Knetanimations-Fans gefällt.

Wir haben Tanita deswegen einmal Marco Rosenberg vorgeführt. Marco macht selbst Stop-Motion-Filme und ist Inhaber der Domain stopmotion.de. Hier ist, was er zu diesem Knet-Adventure zu sagen hatte:

Infokasten


Marco: "Die Optik des Spiels ist ziemlich bunt, wie oben schon angemerkt wurde fehlt allerdings aufgrund der gleichmäßigen Ausleuchtung und Bluescreen-Montagen ein bisschen der optische Tiefeneffekt. Die Hintergründe sind mit liebevollen Details ausgestattet, wie z.B. Wolken in Fischform. Selbst das Menü ist im Knetlook gehalten. Alles ist ziemlich glatt und sauber, wirkt daher dann auch eher wie aus der Sesamstraße und nicht so abgefahren wie z.B. „The Neverhood“.

Was mir sauer aufstößt ist die pixelgerade Meeresoberfläche am Horizont. Im Vergleich zum restlichen Knetlook wirkt diese fehl am Platz, hier hätten ein paar geknetete Wellen nicht geschadet. Die Hauptfigur kommt ziemlich steif und ausdruckslos daher, auch die restlichen Figuren haben alle unnatürlich abgespreizte Arme. Und auch hier erinnert der Look eher an Kinderserien, kann aber durchaus mit abgefahrenen Figuren im Spongebob-Stil punkten.

Die Animationen sind zweckmäßig, aber teilweise etwas ungelenk. Einige der Hintergrundelemente, wie z.B. die herumkrabbelnden Krebse sind leider nicht aus Knete sondern per CGI entstanden, das fällt aber wahrscheinlich nur dem geschulten Auge auf.

Fazit: Kein Neverhood-Niveau, aber durchaus mal einen Blick wert."

Summa Summarum

Tanita ist seit langem mal wieder ein Adventure, das sich allein schon durch seine Technik vom Rest abhebt und damit frischen Wind in das Genre bringt. Die Steuerung und Stabilität der Engine hat uns beim Test überzeugt – auch in der höchsten Auflösung war selbst auf schwächeren Systemen kein Ruckeln zu bemerken. Die farbenfrohe Präsentation und zahlreichen lustigen, kleinen Animationseinspieler dürfte vor allen Dingen jüngere Zocker vor den Bildschirm locken. Ältere Semester können natürlich auch zugreifen, wenn sie ein Faible für leicht verrückte Grafik, Sound und Story haben und dafür auch mal auf perfektes Rätseldesign oder ausufernde Dialoge verzichten können.

Tanita erscheint beim russischen Publisher Akella. Sobald sich im westeuropäischen Bereich ein eigener Vertrieb findet, erfahrt ihr es natürlich sofort bei Adventure-Treff.de!

Tanita bei akella.com
Sieht gut aus