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Everlight

Vorschau

von  Jan "DasJan" Schneider
09.07.2007
Everlight
Seitdem The Games Company im April begonnen hat, Infos zu ihrem neuen Adventure Everlight herauszugeben, wird mehr über Ähnlichkeiten zu Simon the Sorcerer 4 geredet als über das Spiel selber. Jetzt hat uns der Publisher in sein Hauptquartier am Berliner Kurfürstendamm eingeladen, sodass wir uns selbst ein Bild von einer Vorabversion machen konnten.

Studienreise

Auf Intro und Menü mussten wir vorerst noch verzichten, dafür war es möglich, den Anfang von Everlight anzuspielen. Unser Held Melvin betritt darin neugierig einen Laden, in dem es ausschließlich Kerzen in sämtlichen Variationen gibt. Der Verkäufer erzählt von der Kerzenmagie und weist darauf hin, dass auch Zauberkerzen im Angebot seien. Nach einem kurzen Test ist klar, dass Melvin die seltene Gabe besitzt, die Kerzenmagie erlernen zu können.
Dazu schickt ihn der Verkäufer auf eine magische Reise in das Fantasy-Dorf Tallen, von dem zunächst nicht klar ist, ob es sich lediglich an einem weit entfernten Ort befindet, in einer anderen Dimension der Magie existiert oder nur in Melvins Fantasie. Per magischer Wurmloch-Reise auf den Hauptplatz des kleinen Dörfchens verfrachtet bekommt Melvin erst einmal die freche Elfe Fenny als spirituelle Führerin zur Seite gestellt. Die ist für andere Bewohner der Spielwelt unsichtbar - es sei denn, sie macht sich sichtbar - und erfüllt im Spiel mehrere Funktionen. Zum einen weist sie Melvin darauf hin, wenn er gerade etwas Dummes tun möchte, oder gibt Tipps, zum anderen kann sie auch direkt bei Rätseln eingesetzt werden.
Die TGC-Zentrale (und andere).

Verfluchtes Volk

Melvin erfährt, dass Tallen mit einem Fluch belegt ist. Die Bewohner kehren ihren Charakter in der Nacht in das komplette Gegenteil, während sie am nächsten Morgen wieder ganz die Alten sind, ohne sich ihrer Doppelidentität bewusst zu sein. Der chronisch bankrotte und entsprechend sparsame Schmied verprasst nach Sonnenuntergang sein letztes Geld für Bier und Glücksspiel, die sonst hochkorrekten Mitglieder des Stadtrates spielen ihren Mitbürgern schelmische Streiche und die alte Jungfer Daphne wird zur begierigen Nymphomanin mit Handschellen am Bett, die ihrem flauschigen Knuffelteddy ein Ledergeschirr aufzwängt.
Diese Dualität kann und muss Melvin ausnutzen. Dazu ist es möglich, jederzeit mit einem Knopfdruck zwischen Tag- und Nachtszenerie zu wechseln. Jede Location gibt es deshalb in einer Licht- und in einer Schattenversion, die sich längst nicht nur in der Beleuchtung unterscheiden, sondern auch in vielen kleinen Details. Die Spielfiguren befinden sich woanders und deren Wohnstätten sind dem veränderten Charakter entsprechend anders ausgestattet.

Nutze den Tag (und die Nacht)

Das Feature ist zentraler Bestandteil des Rätseldesigns. The Games Company hat dazu ein Rätsel vorgeführt, bei dem Melvin in einem Laden Zaubertinte erwerben muss, die er aber zunächst nicht bezahlen kann. Das kann er erst, wenn er nachts den Schmied im Glücksspiel besiegt. Damit der sein Geld verlieren kann, muss er das aber erst einmal verdienen, und dazu verhilft Melvin ihm, indem er tagsüber einen Streich spielt, zu dem er ein Utensil braucht, dass er wiederum nur nachts bekommen kann. Nach mehreren Zeitwechseln bezahlt er die Verkäuferin letztendlich mit ihrem eigenen Geld.
Ein wenig erinnert das Prinzip an die Doppelwelt aus der fünften Episode von Sam & Max: Season 1. Derartige Rätsel, die die zwei Ebenen miteinander verknüpfen, sollen sich durch das ganze Spiel ziehen. Wenn Silver Style das Feature konsequent und kreativ einsetzt, dann dürfte Everlight einige interessante Aufgaben stellen - der quirlige Weg zur Zaubertinte macht jedenfalls Lust auf mehr.

Never change a running System

Wie in Simon the Sorcerer 4 soll es wieder ein dreistufiges Hilfesystem geben, das zu jedem Rätsel zunehmend deutlichere Tipps geben kann. Neu dagegen ist ein Punktesystem, das wiederspiegelt, wie optimal die Rätsel gelöst wurden. Auch optionale Rätsel, die zum Beenden der Spielhandlung nicht zwingend nötig sind, werden so belohnt.
Spielerisch entwickelt Silver Style getreu dem Motto "never change a running system". Everlight bietet klassisches Point & Click mit bewährter Steuerung, Multiple-Choice-Dialoge, ein intuitives Inventar und virtuelle Tode sowie Sackgassen sind ein Tabu. Innovationen sollen sich auf das Rätseldesign beschränken.
PR-Guru Martin Krämer schwärmt für Everlight.

Bekannte Optik

Die vorgerenderten Hintergründe erinnern zweifellos an die Szenen im vierten Simon the Sorcerer, sind aber tendenziell weniger comicartig überzogen. Trotzdem kann die Optik von Everlight ihre Herkunft nicht verbergen. Die Spielengine selbst wurde vom letzten Silver-Style-Spiel übernommen und etwas aufgebohrt. Neue Partikel- und Lichteffekte sollen mehr Schwung ins Bild bringen. Animationen gab es in der uns gezeigten Version noch recht wenige, man verspricht aber, noch jede Menge Bewegung in die Szenen zu bringen. Hier bleibt abzuwarten, was noch bis zum Release im September passiert.
Auch lippensynchrone Mundbewegungen hat uns The Games Company versprochen sowie mehr Emotionen in den Gesichtern. Schon jetzt sollen zwei mal so viele Gesichtsanimationen enthalten sein wie bei Simon. Man arbeitet auch an einem System, bei dem sich die Figuren in Dialogen direkt in die Augen blicken - auch das war jedoch noch nicht implementiert. Ein solches System ist auch deshalb wichtig, da Everlight verstärkt Closeups der Figuren einsetzt, wenn diese miteinander sprechen. So will man ein filmähnlicheres Spielgefühl vermitteln.
Die Sprachaufnahmen beginnen am 23. Juli in einem Berliner Studio. Als Stimme hat The Games Company eine "bekannte Stimme aus einem Fantasyfilm" verpflichtet, die man wiedererkennen soll. Konkrete Details sind für die kommenden Wochen geplant.

Melvin the Sorcerer?

Wie groß sind also nun die Ähnlichkeiten zu Simon the Sorcerer 4? Einige Parallelen lassen sich nicht verleugnen: Die Optik ist verwandt, man läuft durch eine mit Magie durchzogene Fantasywelt und der Humor ist fies, wenn auch weit weg von den Brachialzoten eines Tony Tough. Trotzdem sollte man Everlight die Chance geben, sich als eigenständiges Spiel zu profilieren. Mit den Tag-Nacht-Wechseln gibt es einen interessanten Dreh im Spieldesign und die Story hat beim genauen Hinsehen auch nur bedingt mit Simon zu tun. Man darf gespannt sein.
Übrigens arbeitet Silver Style auch schon an einem neuen Adventure. Was es damit auf sich hat, wollte man uns allerdings noch nicht verraten.

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