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Die Kunst des Mordens

Vorschau

von  Sebastian 'basti007' Grünwald
30.09.2007
Die Kunst des Mordens

Still Tunguska

Der polnische Publisher City Interactive weiß mit „Die Kunst des Mordens – Geheimakte FBI“ wohl ziemlich genau, wo er hin will: Viele Grafiken des Adventures erinnern stark an das erfolgreiche Krimiadventure „Still Life“, der deutsche Titel ruft Assoziationen mit dem nicht minder populären „Geheimakte Tunguska“ hervor. Und: Beide Produkte werden in der offiziellen Pressemappe als Vergleichswerte genannt.
In der Tat sind gewisse Parallelen zu beiden Spielen nicht zu leugnen: Der Spieler übernimmt wie im Microïds-Thriller die Rolle einer weiblichen FBI-Agentin. Nicole Bonnet, so ihr Name, wird zu Beginn des Spiels in New York ihrem Partner Nick zugeteilt, der sich derzeit mit einer Serie makaberer Morde beschäftigt. Alle Opfer sind erfolgreiche Geschäftsleute und fast jedem wurde mit einem unbekannten Werkzeug der Brustkorb geöffnet und das Herz entnommen.

Wo Schatten ist, da ist auch Licht

Die schön detaillierten, vorgerenderten Hintergründe eines düsteren und versifften New Yorks lassen dabei wirklich sehr schnell Erinnerungen an „Still Life“ wach werden, auch wenn die Grafik nicht vollständig die Qualität des Referenzadventures erreicht. Während die Ausleuchtung sehr atmosphärisch ist, hätten wir uns vor allen Dingen in den Innenräumen noch ein paar belebende Hintergrundanimationen gewünscht. Vielleicht ändert sich hier ja noch was bis zum Gold-Status. Insgesamt spielt das Adventure grafisch auf alle Fälle noch in der oberen Liga mit.
Im Gegensatz zu „Still Life“ ist „Geheimakte FBI“ aber nicht auf die finstere Stimmung festgelegt: Schon bald erfährt Bonnet von einem alten Inca-Ritual, welches in Zusammenhang mit den Morden zu stehen scheint. Ihre Recherche führt sie dabei in das peruanische Cusco und das Tiefland des Amazonas. Bonnet hängt also ihren Anzug an den Nagel, schlüpft flugs in ihre Archäologie-Klamotten und reist auf der Suche nach einer verlorenen Inca Stadt quer durch den Dschungel. Die Hintergrundgrafiken hellen sich nun etwas auf und „Die Kunst des Mordens“ ist wieder näher an „Tunguska“ als an „Still Life“.
Vom versifften New York...

Interaktiver Film Marke CSI und Indy

Apropos: Hintergrundgrafiken soll es im ganzen Spiel über 200 geben. Dazu kommen 20 weitere Charaktere mit 5000 Dialogzeilen. In der uns gezeigten Version waren die Dialoge noch selbst ablaufend. Es ist aber möglich, dass hier noch ein grob gegliedertes Multiple-Choice-System integriert wird. Sehr gut gefällt, dass Bonnet beim Betreten eines neuen Raums eine kurze Beschreibung abgibt. Das trägt deutlich zur Atmosphäre bei und wird sogar hin und wieder für dezente Hinweise genutzt.
Für das deutsche Release ist eine Hollywood-Synchronstimme im Gespräch, mehr wollte man uns dazu aber noch nicht verraten. Sicher ist nur, dass es für das gesamte Spiel eine durchgehende Musikuntermalung geben soll, die dem Adventure die notwendige atmosphärische Dichte und Filmcharakter verleihen soll. Der erste Eindruck davon war sehr positiv, denn die Musik bleibt dezent im Hintergrund und geht beim Spielen deswegen auch nicht auf die Nerven. Zur Atmosphäre sollen zusätzlich auch zahlreiche vorgerenderte Zwischensequenzen beitragen, welche die Story vorantreiben.

Rätsel mit Hindernissen

Ansonsten zeigt sich „Die Kunst des Mordens“ ziemlich klassisch: Vor den gerenderten Hintergründen agieren recht schöne 3D-Modelle. Mit einem Doppelklick kann man laufen und auch der seit „Geheimakte Tunguska“ quasi obligatorische „Snoop Key“ zum Anzeigen aller Hotspots ist vorhanden. Die verwendete Engine ist Wintermute. Von den Rätseln konnten wir noch nicht allzu viel sehen, sie scheinen sich jedoch auf klassische Kombinationsrätsel zu beschränken. So musste man z.B. das Etikett einer leeren Scotchflasche in einem Waschbecken mit heißem Wasser von einer Flasche lösen und auf eine befüllte kleben. Dabei war das Rätsel linear, das heißt, man konnte es wirklich nur in einer vorgegebenen Reihenfolge durchführen. Will man also zuerst das Wasser einlassen und dann die Flasche in das Becken legen, verweigert Nicole ihre Dienste. Die Tatsache, dass man beide Flaschen doch auch einfach hätte umfüllen können, wird sogar vollständig ignoriert.
...ins exotische Peru.Daneben gibt es noch richtig starke Schnitzer wie z.B. Räume, die grundlos erst nach einer gewissen Zeit zugreifbar werden. Immerhin wurden wir vom Spiel auf die neu verfügbaren Locations durch einen kurzen Einspieler hingewiesen. Man kann also hoffen, dass dieses „Runaway-Syndrom“ im fertigen Spiel nicht allzu häufig vorkommt oder zumindest durch konkrete Zielvorgaben abgeschwächt wird. Allzu überzeugend sind die Rätsel damit bislang also nicht.
Als „innovative“ neue Idee wurde vom Publisher die Möglichkeit verkauft, in „Die Kunst des Mordens“ auch sterben zu können - obwohl das Konzept im Adventuregenre schon ziemlich alt ist. Man konnte uns auch noch nicht sagen, welche Lösung es beim Ableben des Charakters für den Spieler geben soll. Eine Auto-Save Funktion sei wahrscheinlich, aber noch nicht entschieden. Jedenfalls müsse man nicht die ganze Zeit panisch speichern. Auch Rätsel unter Zeitdruck gäbe es keine, so City Interactive weiter.

Viel Kunst, viel Mord und ein bisschen Feinschliff

Wie genau sich „Die Kunst des Mordens“ am Ende spielen wird ist derzeit schwer abzuschätzen. Gesehen haben wir nur einen kleinen Ausschnitt, der noch einige kleine Schwächen im Gameplay hatte. So war die Hotspot-Dichte z.B. noch sehr gering und die Rätsel zu streng linear. Andererseits haben die Entwickler mit „Krimi-Adventure“ und „Indy-Flair“ zwei klassische Zutaten im Ofen, die sich mit der richtigen Dosierung gut und abwechslungsreich ergänzen könnten. Die bisher gezeigte Spielatmosphäre ist definitiv der größte Pluspunkt des Adventures. Die Frage ist also, inwieweit City Interactive die noch vorhandenen kleinen Mängel vor allem im Rätseldesign ausbessern lässt, zumal das Spiel bereits in einem guten Monat erscheinen soll. Mit ein klein wenig Fingerspitzengefühl und Finetuning könnte uns hier ein sehr gutes Adventure erwarten. Wir bleiben gespannt!

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Sieht gut aus