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Schach-Welten

Vorschau

von  Jan "DasJan" Schneider
27.10.2007
Schach-Welten
Viele große Adventure-Projekte kommen aus Deutschland. Animation Arts und Fusionsphere Systems haben mit ihrer Geheimakte die Welt erobert, House of Tales hat gerade sein drittes Vollpreisabenteuer auf den Markt gebracht, Deck13 schafft es, neben dem alljährlichen Ankh noch Dinge wie Jack Keane zu entwickeln und Silver Style kann auch schon zwei Genrevertreter vorweisen. Doch es sind nicht nur die Großprojekte, die Aufmerksamkeit verdient haben, auch in kleinerem Maßstab kann Beachtliches entstehen.
Unser Leser Ingo Stuckenbrock arbeitet beispielsweise gerade an seinem Adventure Schach-Welten. Uns hat er eine sehr frühe Version zur Verfügung gestellt, damit wir uns einen Eindruck von Geschichte und Technik machen können.

Kein Tag wie jeder andere

Den Spieler verschlägt es zu Beginn von Schach-Welten in ein Schiffswrack an einer abgelegenen tropischen Küste. Dort lebt der 17-jährige Nik, dessen Geschicke man leitet, zusammen mit seinem Großvater. Eines Morgens erwacht Nik durch ein Gespräch, das der Großvater an Deck mit einem Unbekannten führt. Es kommt zum Streit und einer der beiden fällt am Bullauge vorbei in die Tiefe. Seltsamerweise ist die Tür von Niks Kajüte verschlossen und das Tagebuch des Großvaters liegt auf dem Schreibtisch.
Und es wird noch seltsamer: Nik findet bald kryptische Codes, mysteriöse Geheimgänge, macht Bekanntschaft mit einem sprechenden Tukan und durchschreitet das Portal in die titelgebenden Schach-Welten. Das ungewöhnliche Fantasy-Setting greift dabei immer wieder auf Motive des beliebten Brettspiels zurück.
Die Rätsel sind, zumindest so weit wir die Version gespielt haben, klassische Adventure-Kost. Die Mischung aus Inventarknobeleien und Logikaufgaben ist weder zu schwer noch zu leicht. Wird dieses Niveau im weiteren Spielverlauf aufrechterhalten, braucht man sich über die spielerische Qualität keine Sorgen zu machen.
Die aktuelle Version der Bauernhof-Szene ist<br>vorbildlich animiert: Wolken ziehen vorbei, Bäume <br>und Gräser bewegen sich leicht im Wind, Rauch <br>kommt aus den Schornsteinen und das Wasser<br>bewegt sich (wenn auch etwas ruckelig). Besonders <br>nett: Von den Pappeln fallen einzelne Blätter ab <br>und fliegen durch's Bild.

Licht und Schatten

Zentrales Feature der Technik hinter Schach-Welten ist das Lichtsystem. Jeder Hintergrund liegt in verschieden beleuchteten Versionen vor, die ineinander übergeblendet werden können. So unterstützt das Spiel trotz vorgerenderter Hintergründe getrennt voneinander steuerbare Lichtquellen, die zudem die 3D-Charaktere in Echtzeit beleuchten. Im ersten Kapitel wird die Technik besonders eindrucksvoll für die Blitze des Unwetters eingesetzt. Dazu gibt es Partikeleffekte, realistische Schatten und andere grafische Gimmicks. Nach wie vor gibt es bei uns die drei Technologie-Demos vom Februar zum Download, die ein paar Effekte demonstrieren, sonst aber nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen.
Davon abgesehen kann die Qualität der gerenderten Bilder nicht ganz mit den aktuellen Referenz-Titeln mithalten. Liebe zum Detail kann man dem Entwickler aber nicht absprechen, immer wieder trifft man auf kleine aber feine Extras. Schon im ersten Bild steht im Vordergrund ein unscharf dargestelltes Fass mit halbtransparenten Kanten, hinter denen Nik verschwinden kann, ohne dass ein unschöner Übergang an der Grenze zwischen ihm und dem Objekt entsteht - auch in modernen Top-Adventures ist so was keine Selbstverständlichkeit. Später findet man sogar animierte Palmen im Vordergrund, die ebenfalls mit Tiefenunschärfe belegt sind.
Die Charaktermodelle bieten in der aktuellen Version weniger Details als die Hintergründe, sind aber auch noch weit von den finalen Versionen entfernt. Ungewöhnlich ist die Optimierung für Widescreen-Monitore mit einer Auflösung von 1280x800 Pixeln, eine einstellbare 4:3-Auflösung soll aber noch dazukommen.
Dieselbe Szene, vier verschiedene Beleuchtungen.<br>Die Lichtquellen werden heller, wenn Nik sich nähert.

Umpftata

Die Musik ist bisher der einzige Bereich, den Ingo Stuckenbrock nicht selber in die Hand genommen hat. Der Soundtrack stammt von der Band beyond the void und wirkt hochprofessionell. Das gilt nicht nur für den rockigen Titelsong, der zum Beispiel auf der Schach-Welten-Homepage zu hören ist, sondern auch für die ruhigeren Melodien, die während des Spielens für eine angenehm atmosphärische Soundkulisse sorgen.

Infokasten

Aushilfe gesucht

Abgesehen von der Musik arbeitet Ingo Stuckenbrock bisher alleine und nebenberuflich an seinem Adventure-Projekt. Das soll aber nicht so bleiben. Zur Zeit sucht er insbesondere Unterstützung beim Animieren der Charaktere. Auch beim Erstellen der Hintergründe kann er Hilfe gebrauchen. Wer Interesse an einer Mitarbeit hat, ohne die Erwartung zu haben, davon reich zu werden, findet eine Kontaktadresse im Bereich „Informationen“ auf der Homepage zum Spiel.

Der Release ist erst für Ende 2008 geplant, mögliche Verschiebungen nicht eingerechnet. Wie das fertige Spiel später einmal aussieht, deutet unsere Vorabversion also nur vage an. Dafür, dass der Entwickler so gut wie alles alleine zusammengesetzt hat, ist das vorliegende Material schon jetzt beeindruckend. Als Einzelkämpfer wird es ihm aber wohl nicht gelingen, Anschluss an die ganz Großen des Genres zu finden.
Trotzdem bietet Schach-Welten schon mehr als 1 Jahr vor der Fertigstellung interessante Ideen, ordentliche Grafik und einen tollen Soundtrack. Die ausgefeilten Lichteffekte sorgen für eine dichte Atmosphäre, auch wenn sie die verwendete Wintermute-Engine an ihre Leistungsgrenze bringen. Adventure-Fans, die statt stets dem Titel mit dem höchsten Produktionswert hinterherzujagen auch den Einfallsreichtum kleinerer Projekte zu schätzen wissen, sollten sich Schach-Welten auf jeden Fall vormerken.

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Sieht gut aus