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Memento Mori

Vorschau

von  Jan "DasJan" Schneider
25.09.2008
Memento Mori
Irgendwie wollten Memento Mori, das kommende 3D-Adventure von dtp, und wir bisher nicht so recht zusammenfinden. Bei der kurzen Präsentation auf der GC 2007 stürzte der Vorführ-PC ab, auf der GC 2008 war kaum Zeit für den Mystery-Thriller und angedachte Pressetermine zwischen den Messen kamen nicht zu Stande. Jetzt konnten wir bei dtp in Hamburg dann aber doch ausführlich Probespielen und in Düsseldorf bei den Sprachaufnahmen dabei sein. Deswegen können wir an dieser Stelle doch noch ausführlich unsere ersten Eindrücke schildern.

Aufregung in Sankt Petersburg

Alles beginnt mit einem Einbruch in der Sankt Petersburger Eremitage, einem der größten Kunstmuseen der Welt. Es sieht zwar so aus, als sei nichts gestohlen worden, doch die Aufregung ist groß. Offenbar war ein Insider in den Reihen der Eindringlinge, denn anders wäre es kaum zu erklären, wie sie die Alarmanlage überlistet haben.
Besonders ärgerlich sind die Vorkommnisse für Oberst Ostankovic, den Chef der Sankt Petersburger Polizei. Der kann eigentlich gar keinen Skandal gebrauchen, soll er doch in Kürze vom russischen Präsidenten mit einer Medaille ausgezeichnet werden. Deswegen schickt er seine besten Leute, Maxime „Max“ Durand und Larisa „Lara“ Svetlova los, um die bösen Buben zu erwischen.
Lara ist eine ehrgeizige Polizistin und Expertin für Kunstraub, die ihre Karriereleiter so fest im Blick hat, dass sie es bereits zu Interpol geschafft hat. Sie war es, die Max einst verhaftet hat, als er noch professioneller Kunstfälscher in Frankreich war. Statt in den Knast zu gehen, wartete auf den zweifelhaften Profi jedoch ein Deal: Solange er Ostankovic auf Abruf bereitsteht, bleibt er auf freiem Fuß.

Thomas Crown vs. Dan Brown

Bald schon nimmt die Geschichte an Fahrt auf. In der Eremitage wurde ein Gemälde gegen eine Fälschung getauscht und es dauert auch nicht lange, bis der erste Mord geschieht. Die mysteriöse Sekte Ikuinen nukkuja (finnisch für „Die ewigen Schläfer“), die aus unbekannten Gründen verschiedene Gemälde austauscht, rückt ins Zentrum der Ermittlungen. Verbindungen entstehen zum „Engel des Todes“ oder zur Ars moriendi, mittelalterlichen Schriften über den Tod. Memento Mori richtet sich an alle, die mit düsteren Verschwörungstheorien zwischen Akte X und Dan Brown etwas anfangen können.
Um Bezug zur Realität bemüht integrieren die Entwickler reale Schauplätze wie die bereits erwähnte Eremitage samt Winterpalast oder das Interpol-Hauptquartier in Lyon. Daneben verschlägt es den Spieler nach Schottland, Portugal und in ein abgelegenes Kloster in Finnland.
Eine Besonderheit sind die sechs verschiedenen Enden, mit denen die Geschichte ausgehen kann. Genaue Details wollte uns Cécile Schneider von dtp natürlich nicht verraten, man kann aber davon ausgehen, dass es sich nicht um Varianten desselben Endes handelt, sondern von negativem Finale bis Happy End alles dabei ist. Welche Version man zu Gesicht bekommt, hängt nicht von einer Entscheidung kurz vor Schluss ab, sondern von diversen Schlüsselstellen, die über das ganze Spiel verteilt sind. Wer ein anderes Ende sehen möchte, wird also größere Teile von Memento Mori neu spielen müssen.
Die Bild-im-Bild-Funktion ist nett anzusehen

Alles hat ein Ende nur Memento Mori hat sechs

Überhaupt ist der regelmäßige Bruch mit der Linearität ein interessantes Feature, das man heutzutage relativ selten antrifft. Wir konnten bei unserem Besuch einen Abschnitt in Portugal antesten, wo Lara in eine Wohnung einbrechen muss. In der Szene findet sie auf jeden Fall die Informationen, die sie für den Fortlauf der Geschichte benötigt, im Rahmen dieses Fixpunktes gibt es aber verschiedene Abläufe. Je nach Handlungsweise wird hier jemand - wer das ist, wird natürlich nicht verraten - den Tod finden oder gerettet werden.
Am Ende des Abschnittes läuft ein Timer herunter, der den Spieler unter Zeitdruck setzt. Abhängig davon, ob man innerhalb dieser Zeit ein Rätsel löst oder nicht, findet dann der Übergang zum nächsten Abschnitt statt. Vom Erfolg bzw. Misserfolg in solchen Situationen hängt dann am Ende auch der Ausgang der Geschichte ab.

3D nicht nur zum Spaß

Grafisch ist das Spiel komplett in 3D gehalten. Das bezieht sich nicht nur auf die Umgebungen und Charaktere, sondern auch auf das Inventar. Mitgenommene Gegenstände können - und müssen - aus allen Perspektiven betrachtet werden, um zum Beispiel das Batteriefach auf der Rückseite eines Radios zu entdecken. Etwas unhandlich kam uns hier die Bedienung vor: Statt Objekte direkt mit der Maus drehen zu können, muss man auf Pfeiltasten am Bildschirmrand klicken.
Die Darstellung der hauseigenen 3D-Engine kann überzeugen. Die Technologie schafft es, detaillierte Umgebungen mit einer Vielzahl von Grafikeffekten in Echtzeit zu berechnen. Hier und da tauchen zwar auch mal unschöne Texturen oder kantige Objekte auf, im 3D-Adventurebereich dürfte sich der Centauri-Titel aber recht weit vorne positionieren.
Einen sehr guten Eindruck haben wir vom spielerischen Einsatz der 3D-Technik. Die Kamera fährt, zoomt und zeigt die Szenen auch mal aus ungewöhnlichen Perspektiven. Auch bei Detailansichten wie dem Inhalt von Schubladen darf man die Kamera herumdrehen, um einen besseren Überblick zu bekommen. Mit einem Feuerzeug oder anderen Lichtquellen darf man dann auch mal dunkle Ecken ausleuchten.
Schön ist auch das Splitscreen-Feature. Bei bestimmten Aktionen wird ein „Bild im Bild“ eingeblendet, das die ausgeführte Handlung gleichzeitig aus einer anderen Perspektive zeigt. Spielerisch nicht von Relevanz, aber hübsch anzusehen.

Klassische Spielmechanik

Steuern lässt sich Memento Mori genau so, wie man das von klassischem Point & Click gewöhnt ist. In der Vorführversion hakte es zwar ab und zu, der Bug ist aber bekannt und soll bis zum Release gefixt werden. Die inzwischen fast obligatorische Hotspot-Anzeige gibt über die Farbe der Hotspots zusätzlich Informationen, ob ein Hotspot wichtig für das Weiterkommen ist oder nicht.
Das Dialogsystem gibt keine konkreten Themen vor, sondern erlaubt es nur, die Richtung der Gespräche zu beeinflussen. Soll es freundlich oder zackig weitergehen oder soll Lara eine Frage stellen?
Für die Musik haben die Entwickler den Komponisten Lumír Hrma engagiert, der auch an anderen Centauri-Titeln beteiligt war. Eine stimmungsvolle Kostprobe der Spielmusik bietet der GC-Trailer.
Crap, Jan, Dero und Flux

Augen auf, ich spreche!

Und dann war da noch die Ankündigung, dass die Musiker von Oomph! Sprechrollen übernehmen werden. Wir haben die Drei bei den Aufnahmen im Düsseldorfer Studio translocacell besucht und uns vor Ort einen Eindruck verschafft. Bandleader Dero war bei unserem Eintreffen gerade damit fertig, die Rolle des André einzusprechen, der Bruder von Protagonist Max. Die Rolle umfasst 250 Takes, die in rund 4 Stunden Studioarbeit aufgenommen wurden.
Da Dero bereits bei einem Hörspiel mitgewirkt hatte, besaß er mehr Erfahrung als seine Kollegen Crap und Flux. Die kennen sich zwar in Tonstudios aus, das Einsprechen von Texten war aber neu für die Gitarristen. Zumindest Flux hatte unserem Eindruck nach auch Schwierigkeiten, sich an die neue Situation zu gewöhnen.
Dafür war jedoch vorgesorgt: Crap und Flux haben beide mehrere kleine Nebenrollen eingesprochen, sodass die Loka-Abteilung von dtp auswählen konnte, welche sie am Ende besetzt. Im Notfall hätte man die Rollen auch ganz umbesetzt, was aber nicht nötig war. Crap spricht einen Novizen, einen Mönch sowie einen Fotografen in der Eremitage, während Flux einen Betrunkenen in der Disko mimen darf.
Ein gutes Zeichen war, dass die Oomph!-Männer mit jeder Menge Spaß bei der Sache waren. Dero, Crap und Flux standen diversen Teams für Interviews bereit, vloggten für Viva la Mopped und zeigten sich auch vom Spiel selbst überzeugt (obwohl die Oomph!s privat andere Genres spielen).
Die beiden Hauptfiguren hat dtp mit professionellen Sprechern besetzt. Max bekommt die Stimme von Sascha Draeger, der sich als Tim in den TKKG-Hörspielen einen Namen machte, Lara wird von Nana „Buffy“ Spier gesprochen.

Süßes oder Saures?

Mit der Fertigstellung der Sprachaufnahmen rückt die Veröffentlichung von Memento Mori immer näher. Die deutsche Ausgabe soll zu Halloween als weltweit erste Version erscheinen. Fans von düsteren Mystery-Thrillern, die gerne in die Welt von Geheimbünden und Kirchenverschwörungen eintauchen, dürfen sich freuen. Die Rätsel, die wir gespielt haben, haben interessante Ansätze geboten und das Aufweichen der Linearität oder der gelungene Einsatz der Möglichkeiten, die eine Voll-3D-Engine bietet dürften einige Freunde finden. Wir sind gespannt, ob sich die Geschichte auch spannend spielt - das Potenzial dazu hat sie auf jeden Fall.

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Sieht gut aus