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Revenge

Vorschau

von  zeebee
30.10.2008
Revenge

Revenge

Fenimore Fillmore ist zurück! Und Rhiannon auch! Während Rhiannon dabei optisch und charakterlich sofort wiederzuerkennen ist, scheint Fenimore seine Auszeit auf einem Burger-King-Männercamp mit anschließender plastischer Chirurgie verbracht zu haben. Aus dem Milchbubigesicht anno 1997 bzw. 2004 ist ein hartgesottener Cowboy geworden, der den Eindruck erweckt, lieber schnell zu ziehen als schnell zu reden. Doch auch wenn er etwas rauer geworden ist, im Kern ist Fenimore immer noch der gute Held des Spieles, nur eben etwas gereifter und weniger an eine Comic-Figur erinnernd.

Spaghetti-Western

Doch alles erst mal der Reihe nach. Das Spiel beginnt zeitlich kurz nach „The Westerner“ und Fenimore und Rhiannon, endlich als Paar vereint, reiten gemeinsam über das Land. Dabei entdecken sie einen verwundeten Mann, dem die beiden zu Hilfe eilen.
Schon hier bemerkt man die filmische Inszenierung des Spieles: die Kameraperspektiven, Dialoge und der Wilde Westen wirken genauso wie das Pendant auf Celluloid oder DVD. Während Fenimore erst mal in der Umgebung nach Wasser sucht, übernimmt der Spieler die Geschicke von Rhiannon und muss den Verletzten verarzten. Dabei verrät euch der Verletzte den Namen auf einem Grabstein, bevor er schließlich seinen Verletzungen erliegt. Genau zu diesem Zeitpunkt erscheinen auch eine Schar unbequemer Zeitgenossen, die den kürzlich Verstorbenen wohl verfolgt haben – und die Situation ist zum Zerreißen gespannt.
Um nicht zu viel von der Geschichte zu verraten verbleiben wir an dieser Stelle und fassen zusammen: die Geschichte entwickelt sich in bekannter Western-Manier – die Atmosphäre ist sofort zu spüren. Die Geschichte ist auch etwas komplexer und erwachsener als beim Westerner. Das Spiel entfernt sich damit auch etwas vom Comic-Charakter der früheren Abenteuer von Fenimore Fillmore.

Wieder zurück

Wer den Westerner gespielt hat, wird sofort wieder das Point-and-Click-Interface wiedererkennen. Per linkem Mausklick bewegt sich euer Charakter und führt Interaktionen aller Art wie Aufnehmen oder Untersuchen aus, dem jeweiligen Kontext entsprechend. Im Gegensatz zu anderen Spielen erzählt der gesteuerte Charakter jedoch nicht etwas über den zu betrachtenden Gegenstand, sondern man bekommt eine Nahaufnahme spendiert. Das bringt teilweise Vorteile einer klareren Übersicht und leichter anwählbaren Hotspots, aber es kann eben auch Unwissenheit verbleiben, wenn man mit dem Gegenstand nichts anfangen kann.
Wie beim Westerner muss der Spieler neben den klassischen Rätseln auch Actionszenen meistern. Für diese gibt es jedoch ein Tutorial am Anfang des Spieles, bei dem Fenimore seine Schießkünste unter Beweis stellen muss. Wer diese Einlagen schon damals nicht mochte, wird sie auch dieses Mal nicht lieben. Jedoch sind sie nicht zu häufig und auch nicht mehr so sperrig zu steuern wie beim Vorgänger.
Die deutsche Sprachausgabe ist wie schon im letzten Teil sehr gelungen, auch wenn die Rollen neu besetzt wurden. Vielleicht ist es aber auch besser so, dass Fenimore nach seinem Aufenthalt im Männercamp eine neue Stimme spendiert bekommen hat. Die Musik kommt während des Spieles selten zum Einsatz, zeigt sich aber in den Zwischensequenzen von der besten Seite. Einzig die Comic-Geräusche wirken bei dem neuen Stil des Spieles etwas deplatziert, da sie häufig vorkommen und damit nicht zur Stimmung passen.

Nur eine Mission-CD?

Der Wiedererkennungswert mit dem Vorgänger ist sehr hoch. Der größte Unterschied ist bei den Charakteren zu erkennen: die quietschbunten Comic-Modelle sind realistischeren Charakteren gewichen. Doch der übrige Grafikstil, ja sogar die Texturen des Spieles, wirken vertraut. Dass der Vorgänger nun bereits schon vier Jahre auf dem Buckel hat, lässt diese Aussage nicht zu einem Kompliment werden. Die stark komprimierten Texturen sind im Jahr 2008 einfach nicht mehr zeitgemäß. Das komplette Spiel passt mehrsprachig auf eine 700 MB große CD, so geizig muss man heute nicht mehr mit Speicherplatz umgehen. Mehr Schärfe, mehr Texturen und auch eine stärkere Weiterentwicklung der Spielengine hätten Fenimore sehr gut getan.

In Deutschland sind Spiele immer besser

Während die internationale Version, die auch eine deutsche Sprachausgabe beinhaltet, bereits erschienen ist, lässt The Games Company noch weiter an einer deutschen Version entwickeln. Unter anderem wurden uns von TGC größere Hotspots, ein Manko schon beim ersten Westerner, besser getimte Zwischensequenzen und ein paar grafische Aufpolierungen versprochen. Besonders letzteres ist an einigen Stellen bitter nötig, so sieht z.B. ein Heilumschlag in der internationalen Version eher aus wie das Endprodukt der Verdauung einer Kuh - kein gutes Zeichen für einen wohltuenden Lebensspender. Mit gezielten Änderungen könnte Revenge ein gutes Stück nach vorne kommen, denn das Potenzial ist vorhanden. Wir warten gespannt auf die finale Version.

Wird vielleicht was