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Das Vermächtnis

Vorschau

von  Benjamin "Grappa11" Braun
01.11.2008
Das Vermächtnis
In knapp zwei Wochen will der polnische Publisher City Interactive sein zweites Adventure-Projekt Das Vermächtnis - Testament of Sin veröffentlichen. Wir konnten eine fortgeschrittene Version des Mystery-Titels anspielen und uns mit Sylvie Leroux auf Malta, in Istanbul und Rom auf die Spur des Malteser-Ordens begeben.


Hallo, da bin ich

Buch-Autoren sprechen oft davon, dass der erste Satz eines neuen Werks der schwierigste von allen ist. Auch wenn sich das nicht 1:1 auf ein Computerspiel übertragen lässt, so lässt sich doch erkennen, dass Entwickler vor einer ähnlichen Problematik stehen. Ganz rund wirkt der Einstieg jedenfalls nicht, wenn man als eine gewisse Sylvie Leroux mitten in der Nacht von ihrem Onkel nach Malta gerufen wird, da er eine Bestätigung für seinen Fund einer alten Tempelanalage auf Gozo benötigt. Dass das Flugticket dann zum Beispiel am nächsten Morgen bereits auf dem Schreibtisch liegt, um damit direkt zur Mittelmeerinsel aufbrechen zu können, wirkt irgendwie seltsam. Dort angekommen, ist der Onkel natürlich verschwunden. Ein wirkliches Anzeichen auf eine Entführung oder ähnliches gibt es zwar nicht, dennoch gilt es nun ein Geheimversteck Oliver Leroux' zu knacken, um in seinen privaten Sachen ein wenig rumzuschnüffeln. Diese geben nämlich erst Aufschluss darüber, worum sich der Hintergrund des Spiels eigentlich dreht.

Archäologen wühlen gerne im Dreck.

Under Construction

Der Spieleinstieg ist aber nicht das einzige, was leicht konstruiert wirkt. Das gilt auch für viele der Rätsel zu Beginn des Spiels. Zudem wirken die Szenen anfangs recht abgehackt. Der Wechsel von einer zur nächsten Szene erfolgt recht schnell. Außerdem springt man manchmal häufig zwischen den Schauplätzen hin und her. Trotz der vergleichsweise wenigen Interaktionsmöglichkeiten, deren Umfang in etwa mit dem aus Die Kunst des Mordens vergleichbar ist und auch die schnellen Wechsel erklärt, ist der Eindruck aber kein Negativer. Vor allem auch deshalb nicht, weil sowohl die -anfangs sehr leichten - Rätsel als auch die Story merklich an Qualität gewinnen. Rätsel legen sowohl an Komplexität als auch rein vom Umfang her zu. Die Story nimmt später mehr Fahrt auf, gewinnt gleichsam an Tiefe und Glaubwürdigkeit. Der Trend der ersten Spielhälfte, mehr haben wir vom Spiel noch nicht gesehen, ist also durchaus positiv.
Etwas störend ist dabei, dass viele grundlegende Inhalte in Textform vermittelt werden, die teilweise recht lang geraten sind. Hoffentlich werden diese in der fertigen Version dem Spieler vorgetragen. Gerade zu Beginn herrscht nämlich noch Spannungsarmut, der man nicht noch zusätzliches Futter geben muss.

Dialogrätsel: Fehlanzeige

Die für das Spiel versprochenen Dialogrätsel sind uns leider nicht begegnet. Das mag allerdings auch an einem anderen Verständnis des Begriffs liegen. Die Dialoge finden nämlich, wie schon auf der Games Convention zu sehen war, in Multiple-Choice-Form statt, während man die Gespräche bei Die Kunst des Mordens lediglich mit Mausklicks voran treiben konnte. Nun hat man zwar das Gefühl, mehr Kontrolle zu haben, eine spielerische Auswirkung, in welcher Reihenfolge man die Zeilen anklickt, existiert aber offenbar nicht.
Ansonsten beschränkt sich Das Vermächtnis weitestgehend auf Inventar- und Kombinationsrätsel. In Istanbul ist uns daneben auch eine Art Minispiel begegnet. Hierbei müssen auf einem Hinterhof zwei Objekte auf einem schachbrettartigen Untergrund zu einer Aufstiegshilfe zusammengeschoben werden. Da einzelne Felder blockiert sind und Sylvie Platz zum Rangieren benötigt, ist logisches Denken gefragt.


Sylvie Leroux-Collard bei der Arbeit.

Und Schnitt!

Die größte Stärke von Das Vermächtnis liegt eindeutig im optischen Bereich. Da bestätigt die Preview-Version noch einmal den sehr positiven Eindruck, den wir schon von der Games Convention mitnehmen konnten. Die Hintergründe wirken sehr authentisch und weisen oftmals einen sehr hohen Detailgrad auf.
Die Animation sind ebenfalls sehr gelungen, was gleichsam für die Spielfiguren sowie größere und kleinere animierte Objekte gilt. Egal ob vorbeiziehende Wolken oder wogende Wellen des Meeres, im Wind wehende Wäschestücke oder ein kleiner Vogel auf einem Geländer - alles wirkt liebevoll gestaltet. Schön wäre noch die ein oder andere weitere unbeteiligte Person oder das häufigere Vorhandensein von interaktiven Objekten, die keine Relevanz für das Spiel haben. Das hätte das Ganze etwas lebendiger und noch weniger steril gemacht. Denn die Anzahl der Hotspots wird dem Detailgrad der Hintergründe selten ganz gerecht.
Sehr schön sind auch die vielen kürzeren und längeren Zwischensequenzen, die den (pseudo-)historischen Hintergrund beleuchten, Indiana-Jones-mäßig Sylvies Reiseroute nachzeichnen, einzelne Szenen optisch abrunden oder einfach nur für Spannungsmomente sorgen. Deren Inszenierung ist optisch und akustisch jedenfalls ansprechend.

Ausblick

Lange hin ist es bis zum Release am 14. November nicht mehr. Die Vorschauversion läuft bereits absolut stabil und zeigte keine nennenswerten technischen Macken. Ein Voiceover war noch nicht vorhanden, Bildschirmtexte nur in englischer Sprache. Zur deutschen Lokalisation lässt sich folglich noch nichts sagen. Die übrige Soundkulisse hinterlässt aber bereits einen sehr guten Eindruck.
Insgesamt können wir nicht abschließend bewerten, wie weit der Wurf City Interactives mit Das Vermächtnis werden wird. Sagen kann man schon, dass man optisch und spielerisch zugelegt hat. Story und Atmosphäre entwickeln sich nach dem schwachen Beginn im gespielten Abschnitt positiv. Wenn dieser Trend auch in der zweiten Spielhälfte anhält, für eine gute Übersetzung und passende Sprecher gesorgt wird, werden sich die Polen definitiv zu Die Kunst des Mordens steigern können. Alles weitere erfahrt in dann in unserem Test.

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Sieht gut aus