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Deponia

Vorschau

von  Benjamin "Grappa11" Braun
09.09.2009
Deponia
Der Hamburger Publisher Daedalic hat kürzlich mit The Whispered World ein Adventure veröffentlicht, das etwas ernstere und schwermütigere Töne anschlägt als es Titel wie Edna bricht aus oder die Lizenzversoftung zu 1 ½ Ritter tun. Mit A New Beginnung steht im kommenden Jahr ein weiteres Adventure an, das sich mit der drohenden Klimakatastrophe einem ernsteren Thema verschrieben hat. Obwohl der Öko-Thriller "niemals fertig wird", wie Daedalic-Chef Carsten Fichtelmann in unserem Podcast scherzte, hat man noch ein weiteres Projekt in Arbeit, das auf den Namen Deponia hört. Darin möchte man sich wieder "so richtig austoben".

Wenn der Müllmann streikt.

Die Welt ist zu einer riesigen Müllkippe verkommen, in der der verschrobene Rufus sein tristes Dasein fristet. Er gehört zur unteren Gesellschaftsschicht, die zum Leben in den Bergen voller Unrat verdammt ist. Er glaubt, zu höherem geboren zu sein und hofft auf eine Gelegenheit, in die Welt der Reichen zu gelangen, die hoch über den Wolken in schwebenden Städten leben. Offenbar meint es das Schicksal gut mit dem hochnäsigen Taugenichts, als eines Tages die attraktive Goal aus den oberen Bezirken in einen der Müllberge stürzt. Er beschließt, der jungen Frau zu helfen und bringt sie zurück zu ihrem Ehemann. Als er bei der Übergabe bemerkt, dass ihm Goals Ehemann wie aus dem Gesicht geschnitten ist, schmiedet er einen teuflischen Plan, um sich den Zugang zur Oberwelt zu erschleichen. Doch sein Plan verläuft nicht ganz so wie erhofft, zumal er Gefühle für die Schönheit hegt, die seiner Skrupellosigkeit die Grenzen aufzeigt.

Ich will hier raus!

Über insgesamt 9 Kapitel soll sich die Handlung auf dem Müllplaneten erstrecken und dabei mit zahlreichen Wendungen für Spannung sorgen. Die Storydetails, die Jan Müller-Michaelis uns verraten hat, klingen sehr viel versprechend und lassen insbesondere Edna-Fans auf eine interessante Geschichte und gleichsam vielschichtige wie abgedrehte Charaktere hoffen. Der kreative Leiter von Daedalic sprudelt geradezu über vor lauter Ideen, so schnell kann man gar nicht mitschreiben, um sämtliche Aspekte des Projekts zu erfassen.
Rufus' großes Ziel, ein besseres Leben fernab der Müllberge aufzubauen, steht im Fokus der Handlung. Aber auch die Liebesgeschichte zwischen Rufus und Goal wird eine zentrale Rolle spielen. Hinzu kommt die auffällige Ähnlichkeit des nüchtern berechnenden Ehemannes, die die Geschichte zusätzlich zur Verwechslungskomödie machen soll. Für Spielwelt und Charaktere hat man sich Inspirationen bei Terry Pratchett (Scheibenwelt-Romane), Matt Groening (Futurama/ Die Simpsons) und Douglas Adams (Per Anhalter durch die Galaxis) geholt.

Wie gut, dass dieses Spiel keine Geruchemulation unterstützt.

Beim Gameplay wird es sich wieder um klassisches Point-and-Click handeln, das bewusst auf den kontextsenitiven Mauszeiger verzichtet und stattdessen ein kleines Menü mit unterschiedlichen Interaktionstypen anbietet, wie man es zuletzt in The Whispered World gesehen hat. So oft wie möglich möchte man auch bei Deponia individuelle Kommentare zu den einzelnen Hotspots einbauen, um zusammen mit den Dialogen für die nötige Glaubwürdigkeit und Spieltiefe zu sorgen.

Neben Inventar- und Kombinationsaufgaben will Daedalic in Deponia die ganze Bandbreite an Rätseln ins Spiel integrieren: Jigsaw Puzzles und andere Arten von Minispielen gehören genauso dazu wie Schalter- und Maschinenrätsel. Darüber hinaus hat man sich einige nette Features einfallen lassen, die besonders eng mit der Story verknüpft sind. So verfügt Rufus' Begleiterin über eine Datendisk, auf der ihre Charakterzüge und ihre Erinnerung gespeichert sind. Diese Daten werden bei ihrem Unfall beschädigt und müssen vom wissenschaftlich begabten Charakter Doc repariert werden. Dem Techniker gelingt es zwar, die Daten zu retten, fortan liegen sie aber auf drei verschiedenen Datenträgern vor, die sich zu allem Überfluss in verschiedene Taschen verpackt über die Welt verstreuen. Jeder davon soll Goals Eigenheiten deutlich verändern, je nachdem, welche Disk man auswählt; eine herzliche Goal gehört genauso dazu wie eine Intrigante. Die dritte Variante soll richtig fies sein und selbst den überheblichen Antihelden Rufus in den Schatten stellen. Das soll aber nicht nur für witzige Dialoge zwischen den beiden Hauptfiguren sorgen, sondern auch spielerisch relevant sein. Bestimmte Handlungen oder Gespräche führt unsere Mitstreiterin nämlich nur dann durch, wenn sie mit der geeigneten Disk ausgestattet ist. Eine clevere Idee, auf deren Umsetzung wir sehr gespannt sind.
Die Welt von Deponia soll nicht zuletzt den Anstrich eines Abenteuerspielplatzes bekommen. Die riesige Mülldeponie scheint bestens geeignet, um dort beliebig Objekte zu platzieren, die Rufus für das Erreichen seiner Ziele benötigt. Andererseits ist ein glaubwürdig umgesetztes Szenario dieser Art auch schnell überladen. Es bleibt abzuwarten, wie Daedalic die Welt umsetzen wird.



Müll, so weit das Auge reicht.

Optisch orientiert sich das Spiel mehr an Edna bricht aus als an The Whispered World, wenngleich Auflösung und Animationen deutlich hochwertiger ausfallen sollen. Außerdem sehen sowohl die Hintergründe als auch die Spielfiguren in Deponia etwas stärker nach japanischen Comics aus und nicht mehr so 'europäisch' wie zum Beispiel Sadwicks Abenteuer oder A New Beginning. Besonders die leicht Steampunk-mäßigen Charakterartworks bezeugen diesen Eindruck. Diese und die ersten Screenshots machen jedenfalls Lust auf mehr. Daedalic verspricht im Vergleich zu ihren früheren 2D-Adventures bei den Animationen noch einen Zacken draufzupacken und das Spiel für eine Widescreen-Auflösung (1440x900 Pixel) zu optimieren. Wir sind gespannt auf die ersten bewegten Bilder.

Release-Datum unbekannt

Daedalic möchte das Spiel 2010 auf den Markt bringen. Wir können nicht einschätzen, ob es letztlich dabei bleiben wird, immerhin ist man aktuell noch mit A New Beginning beschäftigt, das ursprünglich auch schon viel früher kommen sollte. Deponia scheint jedenfalls inhaltlich weit komplexer, als man es vielleicht von dieser Art Spiel erwarten würde. Die vielen kreativen Ideen, die der Hamburger Spieleentwickler mit zur gamescom gebracht hat, wird man nicht mal eben so ausbauen, unter einen Hut bringen und sinnvoll aufeinander abstimmen können. Wir glauben jedenfalls, dass sich Daedalic die Zeit nehmen wird und hoffen, dass man bei diesem Projekt nicht den Überblick verliert.

Website von Daedalic
Sieht gut aus