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Ghost Trick

Vorschau

von  
08.08.2010
Ghost Trick
Auch wenn ihr vielleicht nicht unbedingt mit dem Namen Shu Takumi vertraut seid, stehen die Chancen sicherlich nicht schlecht, dass ihr bereits mit ihm in Berührung gekommen seid, handelt es sich beim ihm doch um niemand geringeren als den Schöpfer der ersten drei Phoenix-Wright-Teile. Mit seinem neuesten Adventure, Ghost Trick: Phantom Detective, wagt sich Shu Takumi auf dem Nintendo DS nun in neue Gewässer und konfrontiert uns mit einem komplett neuen Setting. Auf der diesjährigen E3 hatte ich die Gelegenheit, zwei Level seines neuen Werks am Capcom-Stand zu spielen und kann bereits sagen, dass Ghost Trick, auch wenn es sicherlich gewisse Ähnlichkeiten zu Phoenix Wright aufweist, das Genre mit einigen neuen Ideen und Features auf interessante Art bereichern wird.

Los geht es auf einer Müllhalde, auf der du in Form einer geisterhaften Erscheinung zu Bewusstsein kommst. Du schaust dich um und wirst schnell auf etwas aufmerksam, was sich als dein eigener Körper herausstellt, der leblos auf dem Boden liegt. Jedoch fehlt jegliche Erinnerung an deinen Tod, Namen oder sonstige Dinge. Urplötzlich verkündet dann eine geheimnisvolle Stimme, dass du von nun an ein Geist bist und über besondere Fähigkeiten verfügst. Doch bevor die Stimme weitere Details enthüllen kann, wirst du auf eine Frau in der nahen Umgebung aufmerksam. Diese Frau, die, wie man später erfahren wird, auf den Namen Lynne hört, steht kurz davor, von einem Killer erschossen zu werden… offensichtlich derselbe, der vor wenigen Momenten auch dich ins Jenseits befördert hat.

Das Spiel selbst wird komplett mit dem DS-Stylus gesteuert. Durch das Antippen eines Knopfes in der Bildschirmecke aktivieren wir den sogenannten Geist-Modus, durch den wir vorübergehend die Zeit anhalten können. In diesen Situationen haben wir die Möglichkeit, unseren Geist von dem Objekt, von dem wir gegenwärtig Besitz ergriffen haben, auf ein anderes Objekt in unmittelbarer Umgebung zu ziehen und nun auf dieses „überzugehen“. Der obere Bildschirmrand liefert uns dabei eine Beschreibung des jeweiligen Objekts und zeigt an, welche Form von „Trick“ wir mit selbigem durchführen können. Als Beispiel:
Wenn es sich bei dem aktuellen Objekt um eine Schranktür handelt, bekommen wir die Auswahlmöglichkeit „öffnen“ angezeigt. Daraufhin beenden wir den Geist-Modus, lassen die Zeit weiterlaufen, drücken einen Knopf in der entgegengesetzten Bildschirmecke und führen die gewünschte Aktion durch. Auf der Müllhalde können wir durch dieses Prinzip dem Killer ein Tor gegen den Arm schlagen, bevor er Lynne erschießen kann, und ihn anschließend durch das Anschlagen einer Gitarre ablenken. Die Szene läuft nach genau diesem Muster weiter: Wir gehen von Objekt zu Objekt über, um unseren Gegner immer mehr zu verwirren und Lynne zu retten.

Doch leider scheiterte mein Versuch, was mich zu einer weiteren speziellen Geisterfähigkeit bringt: Das Element der Zeitreise. Die bereits erwähnte Stimme erläutert, dass wir die Möglichkeit haben, bis zu vier Minuten vor dem Tod eines Menschen in der Zeit zurückzugehen, um sein Schicksal zu verändern und seinen Tod zu verhindern. Sollten die Dinge dabei nicht so laufen, wie wir es uns vorgestellt haben, können wir an den Ausgangspunkt eines Levels, oder in längeren Abschnitten auch an diverse Speicherpunkte, zurückkehren. Mit etwas mehr Übung finden wir heraus, wie wir unsere Tricks besser anwenden können, um Objekte zu bewegen, die Reichweite der Dinge, von denen wir Besitz ergreifen wollen, auszubauen und in diesem Fall natürlich den Tod von Lynne zu verhindern. Im Anschluss an diesen Teil des Spiels erläutert die mysteriöse Stimme dann, was unsere übergeordnete Aufgabe im Verlauf des Spiels sein wird: Der Spieler hat eine Nacht, um sich daran zu erinnern, wer er eigentlich ist und muss nun herausfinden, wer den Mord an ihm in Auftrag gegeben hat.

Bekanntermaßen sind lange Dialoge ja seit jeher ein typisches Merkmal der Phoenix-Wright-Spiele und auch Ghost Trick scheint in diese Kerbe zu schlagen. So enthielt etwa der zweite Level der Anspielversion, der in einem Apartment spielt, eine sehr ausgedehnte Konversation zwischen dem Hauptcharakter und einem kürzlich verstorbenem Hund. Der Ton des Spiels scheint sich zwischen einer unbeschwerten und Comic-ähnlichen Form von Humor, die sich zum Beispiel am Anzug der Hauptfigur und seinen Haaren bemerkbar macht, und einer düsteren Note zu bewegen. Letztere drückt sich etwa in Form eines Mordes an einem Hundewelpen aus. Ich selbst habe allerdings nicht genug vom Spiel gesehen, um wirklich zu beurteilen, inwiefern der Drahtseilakt zwischen diesen Polen letzten Endes gelingt oder nicht. Deutlich wird jedenfalls schnell, dass die Nebenfiguren optisch nicht minder überzeichnet ausfallen wie die Hauptfigur - gleiches gilt für ihr Verhalten -, während sich die Hintergründe als sehr farbenprächtig erweisen. Die gesehenen Animationen machten bereits einen sehr flüssigen Eindruck auf mich und erinnerten nicht zuletzt an klassische Rotoskopie-Titel à la Prince of Persia und Another World.

Der Apartment-Level, der mit der Bezeichnung fortgeschrittener Schwierigkeitsgrad gekennzeichnet ist, vermittelt einen guten Eindruck davon, wie Ghost Trick sich im Verlauf des Spiels als sehr herausfordernd erweisen könnte. So gibt es im Apartment zahlreiche Objekte, die für die Lösung unserer Probleme nicht relevant sind, den Spieler im entscheidenden Moment aber entsprechend ablenken können. Speziell in Situationen, in denen eine Handlung des Spielers nur einmal durchführbar ist und im exakten Moment erfolgen muss. Allerdings lässt sich sagen, dass diese Elemente bislang nicht zwangsläufig schnelle Reflexe erfordern. So oder so musste ich mehrere Male von der Möglichkeit Gebrauch machen, einen Level von vorne zu beginnen, bevor ich die Lösung für eine solche Situation herausgefunden hatte. Eine eingeblendete Sanduhr, in der wir die vierminütige Zeit im Überblick behalten können, die uns bleibt, um das Schicksal einer Person zu verändern, sorgt darüber hinaus für ein zusätzliches Spannungselement.

In einer Zeit, in der so viele Adventures sich auf Gameplay-Recycling verlassen, deutet Ghost Trick mit seiner interessanten Story, den prägnanten Figuren und einem ungewöhnlichen spielerischen Ansatz an, dass dieses Spiel über das Potenzial verfügt, ein wirklich großartiger Titel zu werden. Wenn man zusätzlich noch bedenkt, welch renommierter Name hinter dem Spiel steht, dürfen DS-Besitzer Ghost Trick erst recht mit jeder Menge Optimismus erwarten. Haltet also die Augen offen, wenn Ghost Trick: Phantom Detective im Laufe des Jahres die Regale erreicht.

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Sieht gut aus