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Runaway - A Twist of Fate

Vorschau

von  Benjamin "Grappa11" Braun
11.11.2009
Runaway - A Twist of Fate
594]Schon Runaway - A Road Adventure entwickelte sich nicht nur gefühlt zur unendlichen Geschichte, bis es im November 2002 endgültig zum deutschen Release kommen sollte. Bei der ersten Fortsetzung, The Dream of the Turtle, sah es ähnlich aus. Auch der dritte Teil ist mehr als einmal verschoben worden und soll, zumindest in Deutschland, bereits in wenigen Tagen auf den Markt kommen - also ziemlich genau sieben Jahre nach dem ersten Abenteuer von Brian und Gina. Wir haben eine fast fertige Version von Runaway - A Twist of Fate spielen können und wollen Euch unsere Eindrücke vom letzten Teil der Adventure-Reihe nicht vorenthalten.

Willkommen daheim

A Twist of Fate orientiert sich deutlich stärker am ersten Teil der Reihe und soll damit sicherlich auch den einen oder anderen vom zweiten Teil enttäuschten Spieler milde stimmen, denen Runaway 2 vielleicht zu bunt oder zu stark Comedy-orientiert war. Schon das erste Kapitel auf dem Friedhof in einem Vorort von New York vermittelt den Eindruck, dass Entwickler Pendulo Studios sich an sein Versprechen erinnert hat. Das Setting wirkt erwachsener als das Inselparadies, wenn auch nicht so ganz so düster wie die ersten Spielabschnitte des ersten Teils. Das gilt sowohl für die Optik als auch für den Inhalt. Gina steht vor Brians Grab und vergießt die eine oder andere Träne, während ihr vor den Toren der Ruhestätte Mafia-Killer auflauern, die das Verlassen des Friedhofs vorerst unmöglich machen.

Frauenpower

Erstmals in der Runaway-Reihe lässt sich Brians Freundin Gina Timmins steuern, deren Geschicke wir auch gleich im ersten Kapitel übernehmen. Um ihre Ziele zu erreichen, muss die brünette Schönheit so manche kniffelige Aufgabe meistern, bei denen sie unter anderem eine Wissenschaftlerin überlisten muss, die auf dem Friedhof versucht, mit den Geistern der Verstorbenen in Verbindung zu treten. Da müssen schwedische Bauanleitungen für Särge übersetzt und Gräber geplündert werden. Doch wir wollen nicht zu viel verraten.
Die Rätsel sind überwiegend clever designt und dabei weder zu leicht noch zu schwierig. Haarsträubende Aussetzer im Rätseldesign begegnen einem im Gegensatz zu Teil 2 nicht, die Aufgaben sind aber auch im dritten Teil nicht immer konventionell und stehen recht deutlich in der Tradition der ersten beiden Teile.

Syndrom auskuriert

Neben den öfters recht speziellen Designideen der Pendulo Studios hatte besonders Teil 1 mit verschiedene Eigenheiten den Unmut mancher Spieler auf sich gezogen, vor allem mit Pixelhunting und dem fast schon berühmten Runaway-Syndrom. Das Versprechen, ein für alle mal das "Syndrom" beseitigt zu haben, hat man offenbar eingehalten. Uns ist in den sechs Kapiteln keine Stelle begegnet, an der wir eine Tasche oder einen Koffer mehrfach untersuchen mussten. Tatsächlich ist es sogar so, dass man frei herumliegende Objekte einfach einsammeln kann, sofern diese für Rätsel benötigt werden. Brian und Gina weigern sich also auch dann nicht die Gegenstände einzustecken, wenn sie den Verwendungszweck noch nicht kennen
Pixelhunting im eigentlichen Sinne gibt es nicht, hin und wieder muss man sich aber von der eingebauten Hotspotfunktion unter die Arme greifen lassen, deren Bedienung per Maus, ähnlich wie beim Inventar, in der Preview-Version etwas unhandlich ist.

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Hilf mir Joshi

Anders als die Vorgänger hat man sich bei Pendulo dem Trend zu Hilfsfunktionen gebeugt. Das Spiel bietet eine an einzelnen Stellen mehr oder weniger unverzichtbare Hotspotanzeige, eine hervorragend umgesetzte Journalfunktion und eine sehr sympathische, spoilerarme Hilfsfunktion an. Hierbei können wir mit Joshua in Verbindung treten, der in der leergefegten Pendulo-Support-Zentral unseren Hilferuf entgegennimmt und so gut wie immer einen hilfreichen Tipp, oftmals in Verbindung mit einem flotten Spruch parat hat, ohne dabei gleich die Lösung vorzubeten. An Stellen, an denen Brian eine aus mehren Teilen bestehende Aufgabe angehen muss, kann man zudem zu einzelnen Elementen Tipps abrufen.
Das ist ansprechend umgesetzt und aufgrund der Vertonung nicht zuletzt für lesefaule Spieler bestens geeignet.

Das ist Stark, Frau Böttcher

Die deutsche Sprachausgabe, die bei bereits bekannten Charakteren auf die Sprecher der ersten beiden Teile setzt, ist überaus gelungen. Es gibt deutlich mehr Stellen, an denen die Stimmen mit verschiedenen Effekten der Umgebung bzw. an das verwendete Kommunikationsmittel angepasst werden. Fehler wie im zweiten Teil sind uns, bis auf zwei Sätze von Gina, bei denen einer dieser Effekte fehlt, keine aufgefallen. Das sollte man bis zum Release aber noch problemlos ändern können.
Die Sprecherwahl ist sehr gut und die Betonungen sitzen fast immer punktgenau. Der Umfang der Sprachausgabe ist groß. A Twist of Fate erreicht gefühlt in etwa ein Dialogausmaß wie The Book of Unwritten Tales und wird dabei ebenfalls niemals langweilig.

Spannend und witzig

Runaway 3 erzählt eine spannende Geschichte, verknüpft diese geschickt mit humorvollen Elementen ohne dabei unglaubwürdig zu werden und wartet mit zahlreichen Wendungen auf - der Untertitel verspricht hier nicht zu viel. Tiefgründig wie ein Jane-Jensen-Spiel ist Runaway - A Twist of Fate sicherlich nicht, das ist aber auch nicht sein Anspruch. Die zahlreichen Anspielungen auf den Vorgänger, Filme oder andere Spiele machen einen Teil des Charmes aus und sollten gerade begeisterten Gamern und Cineasten Spaß machen. Besonders witzig ist das Spiel aber vor allem dann, wenn es das eigene Potenzial der Runaway-Reihe nutzt.
Über sechs Kapitel erstreckt sich die Handlung, die besonders in den letzten beiden Spielabschnitten nochmal mit Bezügen zum ersten und zweiten Teil Kennern der Vorgänger nostalgische Momente beschert und bei der Gelegenheit all jene Spieler mit Antworten versorgt, die seit dem Ende von Teil 2 ihre Fragen mit sich rumschleppen.

Yammi!

Zur Optik braucht man fast nicht viele Worte zu verlieren: Runaway 3 sieht klasse aus und kann besonders mit Blick auf die Charakteranimationen und die zahlreichen toll inszenierten Cutscenes überzeugen. Die Hintergründe sind größtenteils wunderschön gezeichnet, lassen in bestimmten Szenen jedoch vielleicht das eine oder andere animierte Hintergrunddetail vermissen.
Für Abwechslung sorgt die Auswahl der Schauplätze, die uns nicht nur auf den Friedhof und in die Irrenanstalt, sondern auch in ein Landhaus oder die nächtlichen Gassen New Yorks führt.


Dieses Jahr scheint ein Highlight das nächste zu jagen. Für eine finale Einschätzung und einer ausführlicheren Besprechung des dritten und letzten Abenteuers von Brian und Gina müssen wir wir die Verkaufsversion abwarten. Adventure-Spieler dürfen sich jedenfalls auf die Veröffentlichung freuen, Runaway-Fans im Besonderen.

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Sieht gut aus