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Heaven's Hope

Vorschau

von  Jan "DasJan" Schneider
19.09.2010
Heaven's Hope
Talorel ist ein Engelsanwärter. Er mag etwas tolpatschig sein und Ärger magisch anziehen, ein bisschen ist er da wie Adventurehelden-Prototyp Guybrush Threepwood, aber als Wächter des Paradieses sind nicht die sieben Weltmeere, sondern der Himmel sein Zuhause. Das war zumindest bis vor Kurzem so, denn zu Beginn von Heaven's Hope findet sich Talorel mit festem Boden unter den Füßen auf der Erde wieder. Der ungeschickte Protagonist ist im wahrsten Sinne des Wortes aus allen Wolken gefallen und hat dabei die Barriere zwischen Himmel und Erde durchbrochen. Das dürfte manch höherem Beamten in seiner Heimat ganz und gar nicht gefallen...
Als die Mosaic Mask Studios vor einigen Wochen die Homepage zu ihrem Debütprojekt ins Netz stellten, hat die Öffentlichkeit erstmals etwas von dem Spiel erfahren. Wir haben jetzt mit Chefentwickler Seçkin Ölmez gesprochen, um mehr über sein Adventure zu erfahren.

Genrewechsel

Dabei haben wir gelernt, dass eigentlich alles ganz anders geplant war. Ursprünglich sollte es nämlich ein Action-Rollenspiel werden, doch kein Publisher war bereit, einem frischen Team ohne Referenzen in der Gamesbranche ein solches Projekt zuzutrauen, und so mussten die Mosaic Mask Studios zunächst auf eigene Faust loslegen. Der ursprüngliche Plan schien dafür zu ambitioniert, und so koppelte Seçkin einen Teil der Geschichte aus, um daraus ein leichter zu entwickelndes Adventure zu destillieren. „Das ist mein Genre“, sagt er, wobei er die Freude daran nicht verbergen kann.
Inzwischen konnte Seçkin, obwohl er Heaven's Hope bisher neben seinem eigentlichen Beruf stemmt, die Unterstützung von Branchenmenschen gewinnen, die im Adventure-Bereich durchaus schon in Erscheinung getreten sind. So arbeitet Falko Löffler wie z.B. schon bei vielen Deck13-Titeln an den Texten und Pedro Camacho, der Musiker von A Vampyre Story, sorgt für die akustische Inszenierung. Bis zum Ende des Jahres soll eine Demo fertig sein, mit der dann auch ein geeigneter Publisher gefunden werden soll.

Heilig's Blechle!

Und was ist mit Talorel? Der muss aufpassen, dass kein Erzengel Wind von seinem Ausflug bekommt, denn das Durchbrechen der himmlischen Barriere ist streng verboten. Nur wenn er sie wieder in umgekehrter Richtung passiert, ohne dass sein unautorisierter Abstecher bekannt wird, besteht noch Hoffnung für seine anstehende Karriere als Engel. Herauszufinden, wie er dieses Ziel erreichen kann, ist wesentlicher Inhalt der Spielhandlung.
Auf dem Weg treibt er sich in der Stadt herum, die so heißt, wie das Spiel: Heaven's Hope, ein beschauliches Dörflein irgendwann im 19. Jahrhundert. Dort herrscht die Kirche mit eiserner Faust und so richtig haben die Einwohner auch noch nicht mitbekommen, dass die Inquisition eigentlich längst zu Ende ist. Themenkreise wie Hexenverbrennung und Ketzerei sollen mit einem leicht düsteren Humor aufgegriffen werden, die in dunkle Dämmerung getauchte Szenerie unterstützt die Stimmung. Die Gags sollen nicht mithilfe von Anspielungen auf Popkultur oder Adventure-Klassiker funktionieren („das haben andere schon oft genug gemacht“), sondern direkt aus der Geschichte heraus.Düster soll's werden

Die gewissen Extras

Spielerisch peilen die Entwickler möglichst klassisches Point & Click mit gewöhnlichen Inventarrätseln an. Die sollen zwar innerhalb der Spielwelt nachvollziehbar sein, eine gewisse Komplexität und Abgedrehtheit ist aber durchaus gewünscht. Logikpuzzles, Schieberätsel und Ähnliches sind allerdings tabu. Eine große Rolle spielt Nichtlinearität und damit verbunden der Wiederspielbarkeitswert: Möglichst viele Rätsel sollen auf verschiedene Arten gelöst werden können.
Bei allem Hang zum Klassischen will Seçkin aber auch frischen Wind ins Genre bringen. Ein Weg dazu ist der angedachte Multiplayer-Modus, in dem zwei Spieler kooperativ losrätseln können. Wie der genau funktioniert, ist noch geheim. Sicher ist nur, dass es nicht wie bei Clever & Smart zwei Figuren zu steuern gibt, Talorel ist und bleibt auch in diesem Modus einziger Hauptakteur. Eine weitere Besonderheit ist die Möglichkeit, sein Alter Ego im späteren Spielverlauf zu verändern, beispielsweise durch andere Kleidungsstücke. Das Umgestalten der Spielfigur ist dabei kein Muss, gewisse Dinge sind aber nur möglich, wenn der Spieler dieses Feature auch benutzt. Konkretere Infos gibt es bisher leider auch hier noch nicht.
Wo ein Sam mit einem Max auskommen muss und ein Rincewind mit einer magischen Schatztruhe, da hat Talorel gleich die Unterstützung von zwei Wegbegleitern. Die laufen nicht physisch neben dem Spielercharakter her, sondern sprechen aus dem Himmel zu ihm herunter. Einer von beiden dient als Inventar und Ingame-Hilfe, den zweiten bezeichnet Seçkin als „die Würze des Spiels“ – von ihm sind wohl insbesondere sarkastische Kommentare zu erwarten.

Oh Publisher, where art thou?

Auch wenn auf der Hompage zum Spiel noch etwas von „Episoden-Adventure“ steht, ist Heaven's Hope als komplettes Vollpreis-Adventure geplant. Der Begriff soll lediglich andeuten, dass das Universum noch mehr Geschichten zu bieten hätte, wenn die erste gut ankommt. Das Spiel wird in sich abgeschlossen sein und nicht mit einem offenen Ende für Verärgerung sorgen.
Das und vieles mehr wird aber auch mit dem zukünftigen Publisher zu verhandeln sein. Ob Heaven's Hope am Ende wie bisher die Ogre-Engine verwendet und ob es tatsächlich auch auf Apple-Systemen und Smartphones erscheint, wie Seçkin es ins Auge fasst, kann im Moment daher noch nicht mal der Entwickler selbst beantworten. Da das veröffentlichte Material jetzt schon sehr vielversprechend aussieht, warten wir aber gespannt auf neue Entwicklungen in Sachen Mosaic Mask Studios.

Homepage zum Spiel
Wird vielleicht was