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Mozart - Das letzte Geheimnis

Vorschau

von  Benjamin "Grappa11" Braun
09.04.2011
Mozart - Das letzte Geheimnis
Bereits im Jahr 2007 konnte Adventure-Treff über das historisch angehauchte Abenteuer Mozart berichten. Die im Juni des selben Jahres gestartete Homepage wurde seitdem nicht mehr aktualisiert, das Spiel erschien beinahe unbemerkt vor gut zweieinhalb Jahren in einer französischen Sprachversion. Publisher Micro Application hatte den damals noch unbekannten Entwickler Gameco-Studios mit der Umsetzung betraut. Der französische Entwickler zeichnete später für das vor allem von den Spielern nicht gut aufgenommene Still Life 2 verantwortlich. 2011 bringt der Berliner Anbieter Just A Game Gamecos Erstlingswerk Mozart auch auf den deutschen Markt. Wir haben uns vorab einen Eindruck verschafft.

Große Namen und wenig dahinter

Der weltberühmte Komponist und Konzertmeister Wolfgang Amadeus Mozart hält sich im Jahre 1788 in Prag auf. Die Machtposition des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen, Joseph II., scheint bedroht. Mozart sieht dessen Niedergang in wiederkehrenden Träumen.
Bevor er der tatsächlichen Lage aber auf den Grund gehen kann, muss er sich mit Problemen des Alltags herumplagen. Mozart ist abgebrannt und muss sich zunächst neue Einnahmen verschaffen...

Infokasten

Vorschauvideo

In unserem YouTube-Kanal steht nun auch ein ausführlicher Videobericht zum Spiel zur Verfügung, in dem wir unter anderem ein paar der Minispiele in Mozart vorstellen.

Point-and-Click und Minispiele

Die erste Hälfte der insgesamt 18 Kapitel hinterlässt spielerisch einen zwiespältigen Eindruck. Der Anspruch der Rätsel fällt nicht nur am Anfang eher gering aus, erst in späteren Spielabschnitten kommen vereinzelt Aufgaben auf den Spieler zu, die sich nicht im Vorbeigehen lösen lassen. Das gilt allerdings weit weniger für die Inventar- und Kombinationsrätsel als viel mehr für einige der zahlreichen Minispiele, die immer wieder Mozarts Weg kreuzen. Darunter fallen sowohl einzigartige Rätsel, bei denen man beispielsweise ein Instrument stimmen oder mithilfe von ein paar Zahnrädern einen Mechanismus in Gang bringen muss, als auch verschiedene Minigames, die man so ähnlich auch an anderen Stellen im Spiel lösen muss. Mal muss der Spieler auf einem Notenblatt mehrere Noten verschieben, um eine Komposition zu vollenden, mal muss er mit dem Taktstock einer markierten Fläche folgen, um Mozarts Ruf als Meister seines Fachs gerecht zu werden.
Die echten Rätsel sind weder zu leicht noch zu schwer, die „Geschicklichkeitseinlagen“ selbst für ungeübte Spieler problemlos schaffbar. Tatsächlich finden sich unter den Rätseln sogar ein paar halbwegs originelle Ideen, so richtig glücklich waren wir aufgrund der extrem hohen Linearität und den häufig aufgesetzt wirkenden Aufgaben aber bislang nicht.
Auch mit Blick auf die Story stellte sich noch keine Zufriedenheit ein. Eher schleppend entwickelt sich die Geschichte, die uns in der ersten Spielhälfte gefühlt fast ausschließlich mit Nebensächlichkeiten abspeist und dabei nur das Nötigste tut, um eine ansatzweise stimmige Spielwelt zu schaffen. Gerade die nur in sehr begrenztem Maße möglichen Interaktionen mit anderen Charakteren und der Umgebung erfüllen die Erwartungen an ein "historisches Adventure" nur bedingt.

Schon vor 3 Jahren keine Schönheit

Technisch hinterlässt das Spiel ebenfalls ein eher durchwachsenes Bild. Das Third-Person-Adventure, das die Szenen aus wechselnden Blickwinkeln zeigt, wirkt im ersten Augenblick wie ein 3D-Spiel. Von einigen 3D-Objekten in der Umgebung abgesehen handelt es sich allerdings um vorgerenderte Hintergründe von schwankender Qualität. Vorbeiziehende Wolken und andere animierte Details lässt Mozart darin zumeist vermissen. Man kann dem Spiel zwar zugute halten, dass es bereits knapp drei Jahre auf dem Buckel hat, aber selbst im Jahr 2008 hat man im Adventure-Bereich schon Besseres gesehen.
Die Licht- und Schatteneffekte sind teilweise ganz nett, immerhin verzichtet manch ein Adventure-Entwickler gänzlich auf solche Feinheiten, großartig verbessern kann das den mäßigen Gesamteindruck aber kaum. Dasselbe gilt für die unterschiedlich gut gelungenen Charakteranimationen, denen es streckenweise etwas an Vielfalt, durchgehend aber an einer ausdrucksstarken Mimik mangelt.
Allgemein wirkt das Spiel in vielerlei Hinsicht nicht wie ein Produkt, das bereits vor drei Jahren auf den Markt kam. Kleinere Macken bei der Fortbewegung, unsaubere Soundübergänge beim Szenenwechsel, teilweise sogar beim Wechsel der Perspektive innerhalb eines Raumes, lassen einen gewissen Feinschliff vermissen. Gröbere technische Probleme sind dafür aber nicht aufgetreten, Lade- und Speicherzeiten sind etwa kaum wahrnehmbar, Abstürze und andere schwerwiegende Programmfehler konnten wir nicht feststellen. Raum für technische Nachbesserungen hätte es aber genügend gegeben.

Ausblick

Mozart wird eines sicherlich nicht: Ein Pflicht-Titel. Die Story hat uns bislang eher gelangweilt dreinblicken lassen und die englische Sprachausgabe ist teils nur schwer auszuhalten. Wir hoffen, dass die deutschen Sprecher, die wir bislang noch nicht hören konnten, besser sind und die Geschichte in der zweiten Hälfte wenigstens ein bisschen mehr zu bieten hat.
Spielerisch wagt der Titel einen Spagat: Die Minispiele sind teils sehr „casual“, bieten aber auch immer wieder Aufgaben, die stärker Rätsel-orientierte Abenteurer ansprechen können. Allerdings würden die meisten dieser Rätsel genauso gut auch außerhalb des Spiels funktionieren - ohne die meist dünne Verknüpfung mit der Story. Ob diese Mischung zumindest für einige Stunden gut unterhalten oder letztlich weder bei den einen, noch bei den anderen genügend Überzeugungsarbeit leisten kann, das erfahren wir Ende April, wenn Mozart in Deutschland auf den Markt kommt.

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Wird vielleicht was