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Der Fall John Yesterday

Vorschau

von  BENDET
06.03.2012
Der Fall John Yesterday
Pendulo Studios ist bekannt für seinen unverwechselbaren Grafikstil, seine humorvollen Geschichten und seine eigenwilligen Rätsel. Jetzt stehen Pendulo zusammen mit Crimson Cow kurz vor der Veröffentlichung ihres neuesten Adventures: Der Fall John Yesterday, das als ernstes, erwachsenes Adventure gehandelt wird. Wir haben uns eine Vorschau des Spiels für euch angesehen und sagen euch, wie sich Pendulo auf dem neuen Terrain schlägt und ob das Spiel mit der typischen Pendulo-Grafik funktioniert.

Nichts Neues ...

John Yesterday ist ein Experte für satanische Sekten und wird von Henry White, einem erfolgreichen und sozial engagierten Großunternehmer, dem bereits seit seiner Studienzeit besonders Obdachlose am Herzen liegen, engagiert, um eine Reihe von Morden an Obdachlosen aufzuklären, die mit einem satanischen Ritual in Zusammenhang zu stehen scheinen. Für John Yesterday, der seit einem Selbstmordversuch an Amnesie leidet und vorher bereits mit diesem Fall beauftragt war, ist diese Angelegenheit nicht nur die Suche nach dem Inquisitor von New York, jenem skrupellosen Ritualmörder, sondern auch eine Reise in die eigene Vergangenheit, die enger mit den Mordfällen verwoben ist, als er sich je hätte träumen lassen. Und so stellt sich John Yesterday nicht nur die Frage nach der Identität des Inquisitors, sondern auch nach seiner eigenen.

... und doch anders

Der Fall John Yesterday ist ein klassisches Point-and-Click-Adventure mit einer wendungsreichen Geschichte, welche einige Überraschungen bietet. Insbesondere verleitet das Spiel einen recht schnell dazu, die Entwicklung der Geschichte vorauszuahnen und ein ganz bestimmtes Ende zu erwarten, nur um dann vom weiteren Geschichtsverlauf eines Besseren belehrt zu werden. Überraschend ist jedoch nicht nur die Geschichte. Auch das Bedienkonzept ist an sich altbekannt, birgt aber diverse Innovationen. Diese werden den klassischen Point-and-Click-Spieler anfangs sicher irritieren, ihr Mehrwert ergibt sich aber beim Spielen nach und nach, sodass man zum Ende hin die neuen Bedienkonzepte nicht mehr missen möchte. Am auffallendsten sticht sofort das neue Pop-Up-System hervor, welches zu allen Gegenständen eine Nahansicht bietet, bevor man mit diesen interagieren kann. Verwirrend ist hierbei jedoch, dass man in dieser erwähnten Vergrößerung nicht mit einzelnen Gegenständen interagieren kann. So wird beispielsweise der Stauraum eines Minivans untersucht, in dem man einen Baseballschläger und einen Benzinkanister findet. Allerdings kann man diese beiden Gegenstände nicht einzeln anklicken oder aufnehmen, sondern führt sämtliche Interaktionen mit dieser Szenerie über ein Menü aus, welches zu jeder Pop-Up-Ansicht zusätzlich eingeblendet wird. Eine weitere, gewöhnungsbedürftige, aber sehr viel Zeit sparende Innovation ist das automatische Versetzen des Spielcharakters zum jeweils letzten Interaktionspunkt. Wenn man also auf einen Ausgang oder einen Gegenstand klickt wird man direkt zu diesem Punkt "teleportiert", was enorm viel Zeit spart und so zu einem dauerhaften Fluss des Spiels beiträgt. Das gesamte Spiel strotzt geradezu vor solchen kleinen Neuerungen, welche einen am Anfang verwirren, deren Mehrwert und durchdachtes Konzept sich aber nach einiger Zeit des Spielens einstellen, sodass man auf die jeweiligen Neuerungen nicht mehr verzichten möchte.

Dicht gepackt

Positiv fällt ebenfalls auf, dass während des gesamten Spiels keine nennenswerten Ladezeiten anfallen und es sich so nach dem Start in einem dauerhaften Fluss befindet. Diese Dynamik unterstreicht die Geschichte und trägt positiv zu deren Spannung und Atmosphäre bei. Unterstützt wird der permanente Fluss außerdem durch das Hilfesystem im Spiel und das automatische Speichern, das sich nicht nur den aktuellen Spielfortschritt merkt, sondern auch Schlüsselsequenzen ablegt. Diese können dann beliebig oft wiederholt werden. Durch die hohe Spieldichte, die abwechslungsreichen Ereignisse und die spannende Geschichte wird das Spiel an keiner Stelle langweilig und bleibt durchgehend fesselnd. Dabei verhalten sich die Charaktere stets glaubwürdig und nachvollziehbar. Die Positivliste zu Der Fall John Yesterday lässt sich beliebig fortsetzen und zieht sich durch nahezu alle Aspekte des Spiels, seien es die zahlreichen und abwechslungsreichen Kommentare des Erzählers zu selbst sinnlosen Aktionen oder die bei oftmals variierenden Antworten des Gesprächpartners zum gleichen Thema. Auch der durchaus vorhandene Humor passt zum Flair und Ambiente des Spiels, ist stets angebracht und zieht die ernste und durchdachte Geschichte keineswegs ins Lächerliche.

Vorschau?

Technisch ist das Spiel schon so weit ausgereift, dass man kaum glauben kann, nur eine Vorschau bzw. einen vorläufigen Freigabe-Kandidaten vor sich zu haben. Zwar sind durchaus Auffälligkeiten vorhanden, weisen jedoch in ihrer Anzahl einen geringeren Umfang auf, als es bei manchen bereits käuflich erhältlichen Spielen der Fall ist. Das bei Crimson Cow vor Ort erlebte Engagement legt dazu noch die berechtigte Hoffnung nahe, dass sich dieser Zustand bis zur Kaufversion weiter stabilisieren und sich das Spiel auf dem hohen, von Pendulo-Spielen gewohnten, technischen Niveau bewegen wird.

Genug geschleimt

Bei all den positiven Aspekten, die nun angesprochen wurden, stellt man sich zwangsläufig die Frage, ob es bei dem Spiel auch etwas zu meckern gibt. Nicht vermeiden lassen wird sich wohl die beständig aufkommende Diskussion zur Spielzeit. Dabei sollte man aber nicht nur die tatsächliche Zeit berücksichtigen, die man zum Spielen benötigt hat, sondern auch wie dicht die Geschichte gepackt ist. Hinzu kommt auch, dass einen das Spiel so lange nicht locker lässt, bis man es endlich gelöst hat. Der dynamische Fluss ohne Ladeunterbrechung und verzögernde Kapitelzwischenblenden tut sein Übriges, sodass man gar nicht anders kann als das Spiel in kürzester Zeit zu beenden. Das allerdings spricht auch wieder für den herausragenden und spannenden Erzählstil. Kurz und knapp kann man den Eindruck zum Spiel wohl folgendermaßen zusammenfassen: Der Fall John Yesterday hat das Zeug, Pendulos bisher bestes Spiel und der Überraschungshit 2012 zu werden. Empfehlung der Redaktion: Vorbestellen.

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Sieht gut aus