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Sherlock Holmes: Crimes & Punishments

Vorschau

von  Jan "DasJan" Schneider
05.09.2013
Sherlock Holmes: Crimes & Punishments
Nach Das Geheimnis der Mumie, Das Geheimnis des Silbernen Ohrrings, Die Spur der Erwachten, Sherlock Holmes jagt Arsène Lupin, Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper und Das Testament des Sherlock Holmes bereitet Frogwares nun den Release seines siebten großen Sherlock-Holmes-Adventures Crimes and Punishments vor. Offenbar hat der ukrainische Entwickler, der mit etwa 80 Mitarbeitern immerhin zu den größten Studios gehört, die hauptsächlich auf Adventures setzen, ein erfolgreiches Rezept gefunden.
Einen Beitrag leistet da sicher auch das ständig wachsende Interesse an der Lizenz: So freut sich Frogwares-Chef Waël Amr über die publikumswirksame Hollywoodversion mit Robert Downey Jr. als Rüpel-Sherlock, die genial geschriebene Jetztzeit-Adaption der BBC und die bald startende russische TV-Version.
Das Aussehen von Sherlock Holmes hat sich stark verändert

Im Kopf des Genies

Inhaltlich wird es in Crimes and Punishments keinen großen Fall geben, der die komplette Spielzeit ausfüllt, sondern sieben Episoden mit jeweils einem Fall. Zwar versprechen die Macher auch einen überspannenden Handlungsbogen, weitgehend sind die Kapitel aber unabhängig voneinander. Zwei Fälle basieren auf Kurzgeschichten aus dem Band „Die Rückkehr des Sherlock Holmes“, zum Beispiel über den Walfänger-Kapitän „Der Schwarze Peter“, die restlichen fünf Fälle haben sich die Frogwares-Autoren selbst ausgedacht.
Motto des Spiels ist es, den Spieler in den Kopf des legendären Meisterdetektivs zu versetzen. Dazu haben die Entwickler an einigen Schrauben gedreht: So liegt der spielerische Schwerpunkt nicht mehr auf klassischen Adventure-Rätseln, das Inventar ist sogar komplett verschwunden, sondern in den Tätigkeiten, die man primär mit der Figur verbindet. So muss der Spieler Tatorte untersuchen, Zeugen befragen, Gegenstände unter die Lupe nehmen, Spuren analysieren und Dokumente begutachten. Dazu gibt es hin und wieder eine Prise Logikpuzzle, die sich aber auf Knopfdruck überspringen lässt.
Logische Schlüsse ziehen wir auf dem Deduction Board

Die Gedanken sind frei

Für das richtige Detektiv-Gefühl hat Frogwares eine neue Mechanik eingebaut. Mittels der „Sherlock Vision“, die in ihrer Ausführung an die BBC-Serie erinnert, schaut sich der Titelheld seine Gesprächspartner ganz genau an, um so wichtige Details zu erkennen. Das können Krümel auf den Schuhen, Haare am Revers oder abgekaute Fingernägel sein. Korrekt entdeckte Details schalten dann beispielsweise weitere Dialogoptionen frei. Insgesamt soll es 14 Spielmechaniken geben, sodass es trotz des fehlenden Inventars nicht langweilig wird.
Am jeweiligen Kapitelende gilt es, eine Folge von Schlussfolgerungen so zusammenzusetzen, dass der richtige Täter dingfest gemacht werden kann. Hier erhält der Spieler deutlich mehr freie Entscheidungsmöglichkeiten als sonst. Zum einen ist es möglich, logische Schlüsse falsch zu kombinieren und am Ende den falschen Verdächtigen zu beschuldigen, zum anderen gibt das Spiel nicht vor, was man mit seinen Schlussfolgerungen macht. Der Polizei melden oder doch unter den Teppich kehren? Wir entscheiden!
Die Unreal Engine 3 haucht der Baker Street neues Leben ein

Neue Engine, neues Glück

Nachdem frühere Sherlock-Titel in der hauseigenen 3D-Engine entstanden sind, setzt Frogwares nun erstmals auf die Unreal Engine 3. Der Wechsel war eine gute Entscheidung, denn der Detailgrad von Umgebungen und Charakteren ist noch einmal deutlich besser geworden. Auch wirken die Szenen belebter und die deutlich realistischere Beleuchtung sorgt für atmosphärischere Bilder. Laut Producerin Olga Ryzhko lohnt sich auch aus Gameplay-Sicht die Umstellung, da sich die zahlreichen Spielmechaniken so flexibler implementieren und tunen lassen.
Steuern ließ sich die Sherlock-Reihe bis zuletzt wahlweise mit WASD-Tastatursteuerung oder in altbekannter Point-and-Click-Manier. Die zweite Variante fällt nun weg, sodass die Spielfiguren nur noch direkt, sei es mit Tastatur oder mit Joypad, durch die Umgebungen gelenkt werden können.

Mehr Sherlock, weniger „Benutze A mit B“

„The Walking Dead hat uns befreit,“ sagt Waël Amr, und meint das Abweichen von plattgetretenen Genrepfaden. Das hochemotionale Telltale-Spiel legte den Schwerpunkt auf das Erzählen einer dichten Geschichte, in der dem Spieler das Gefühl vermittelt wird, wichtige Entscheidungen selbst treffen zu dürfen, ohne dabei Rücksicht auf Genrekonventionen zu nehmen. Ähnliche Werte hat sich nun Frogwares auf die Fahnen geschrieben. In der Tat scheinen die Entwickler sich von allerlei Ballast befreit und frisch darüber sinniert zu haben, was die Welt von Sherlock Holmes eigentlich ausmacht.
Wir sind gespannt, ob die sieben Fälle komplex genug sind, um der Lizenz würdig zu sein, und gut genug geschrieben, um uns bis zum Ende an das Spiel zu fesseln. Sicher ist, dass der frische Wind im Spieldesign nur gut für die 10 Jahre alte Serie sein dürfte. Crimes and Punishments erscheint voraussichtlich im ersten Quartal 2014 für PC, PlayStation 3 und Xbox 360.

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Sieht gut aus