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Memento Mori 2 - Wächter der Unsterblichkeit

Vorschau

von  Michael Stein
05.04.2012
Memento Mori 2 - Wächter der Unsterblichkeit
Vor etwa 3 1/2 Jahren überraschte uns das tschechische Entwickler-Team Centauri Production mit seinem 3D-Krimi Memento Mori. Das vor allem grafisch starke Adventure konnte in vielen Bereichen überzeugen und war einer der großen Titel seines Jahrgangs. Bereits auf der gamescom 2010 gab es ein erstes Poster des Nachfolgers Memento Mori 2 - Wächter der Unsterblichkeit im Messestand von Publisher dtp zu sehen. Anfang Mai soll der Titel nun im Handel erhältlich sein. Wir hatten bereits im Vorfeld Gelegenheit, bis ins vierte von sieben Kapiteln zu spielen.

Turbulente Flitterwochen

Kunstdetektivin Lara und Kunstmaler Max Dumont, die Protagonisten aus dem Vorgänger, haben geheiratet und verbringen ihre Flitterwochen in einem Hotel in Kapstadt. Doch die Arbeit hat auch vor besonderen Zeiten keinen Respekt und so erhält Lara einen Anruf ihres Arbeitgebers Interpol: Ein Einbruch in einer lokalen Galerie wurde gemeldet. Unbekannte haben mehrere Kunstgegenstände gestohlen, darunter auch zwei wertvolle Figuren. Spaßeshalber überlässt Lara die Ermittlungen ihrem Gatten, der vor Ort mit der Beweissicherung beginnt. Schnell wird klar, dass an der Sache etwas faul ist. Nach einer Weile sind die Schuldigen zwar gefunden, doch die Beweise reichen nicht aus, um sie zu überführen. Doch dann geschieht ein folgenschweres Unglück: Auf dem Rückweg von einer Befragung passiert Lara eine Bergstraße, an der gerade ihr Mietwagen geborgen wird, der eine Klippe hinabgestürzt war. Von Max fehlt jede Spur und es wird vermutet, dass er bei dem Unglück ums Leben gekommen ist und seine Leiche ins Meer gespült wurde. Zutiefst erschüttert kehrt Lara nach Lyon zurück und verfällt in Depressionen. So recht will sie nicht an Max' Tod glauben, Beweise für sein Überleben hat sie aber nicht. Ein Kollege überzeugt sie schließlich, ihre Arbeit für Interpol wieder aufzunehmen. Aus San Francisco wurde ein seltsamer Fall gemeldet, in dessen Mittelpunkt ein mit Blut gemaltes Bildnis im Kellergewölbe einer Kirche steht - und irgendwie hat es auch etwas mit Max zu tun.

Die neue Grafik-Referenz?

Von Beginn an sticht die außerordentlich detaillierte 3D-Grafik ins Auge. Gegenüber dem schon hochwertigen Vorgänger haben Centauri Production noch einmal eine gute Schippe draufgepackt. Dynamische Schattenwürfe sowie umfangreiche Licht- und Partikeleffekte hauchen dem Spiel ein sehr realistisches Gesamtbild ein. Dazu sind die 3D-Modelle sehr detailliert und sorgfältig erstellt. Von matschigen oder groben Texturen kann hier keine Rede sein. Selbst in Bewegung sehen die Hintergründe wirklich klasse aus, gleiches gilt für die unglaublich gut ausgearbeiteten Charaktermodelle. Man kann die einzelnen Falten in den Gesichtern, die Fasern auf der Kleidung und jedes einzelne Haar deutlich erkennen. Hinzu kommen die Details in der Umgebung. Risse im Asphalt, der Schmutz auf Wänden und Böden, selbst die Blätter an den Bäumen und das Wasser in einem Brunnen wirken sehr realistisch und sind korrekt beleuchtet. Einem Polizeifahrzeug wurde sogar ein leichter Blechschaden verpasst und beim Losfahren sieht man den Qualm, der aus dem Auspuff geblasen wird. Interessant ist auch die Inszenierung der Dialoge. Hierbei wird in eine Nahansicht geschaltet, wodurch die Qualität der 3D-Charaktere erst richtig auffällt. Zusätzlich wird während der Gespräche zwischen mehreren Kameraperspektiven gewechselt, was sehr cineastisch wirkt. Auch die Zwischensequenzen sind in Spielgrafik erstellt, sodass die Grafik vollständig konsistent wirkt. Einziges Manko sind die sich etwas zu steif bewegenden Charaktere, was besonders am Anfang negativ auffällt. Memento Mori 2 wirbt damit, die neue Grafik-Referenz im Adventure-Genre zu sein. Im 3D-Bereich trifft das sicherlich zu, denn eine solche Optik kennt man bisher nur von statischen Hintergründen.Die detaillierten Hintergründe sehen auch bei<br>Kameraschwenks und aus kurzer Distanz toll aus

Dezente Klänge und klare Stimmen

Auch musikalisch macht Memento Mori 2 eine gute Figur. Die Hintergrundstücke passen zu den Ereignissen, sind unaufdringlich und gehen angenehm ins Ohr. Die deutsche Sprachausgabe ist professionell, alle Charaktere sind passend besetzt. Bis auf kleinere Fehlbetonungen haben die Sprecher saubere Arbeit geleistet. Ebenfalls schön zu hören sind die zahlreichen Soundeffekte, wie vorbeifahrende Autos oder bellende Hunde.

Geschichten aus dem Ermittleralltag

Beim Rätseldesign hat man sich für eine Kombination aus Ermittlungsarbeit, altbekannten Puzzle-Elementen und Minispielen sowie einigen Objektkombinationsrätseln entschieden. Aber auch neue Ideen haben sich die Entwickler einfallen lassen. Eine interessante Sequenz ist eine Besprechung bei Interpol, in der Lara zusammen mit ihren Kollegen anhand der Tatortfotos versucht, die Geschehnisse zu rekonstruieren und Vermutungen über den Hergang der Tat und den Täter aufzustellen. Auf den Bildern können mit einem Laserpointer bestimmte Stellen markiert werden. Anschließend diskutiert die Runde darüber, wobei der Spieler für Lara die passende Dialogoption auswählt. Viele der Informationen stehen in einem Bericht, den man vor der Besprechung gelesen haben sollte. Von den dadurch erhaltenen Detektiv-Punkten soll später abhängen, zu welchem der mehreren möglichen Enden man geleitet wird. Insgesamt ist die Rätselkost durchwachsen. Neben einigen interessanten Aufgaben wie den Dialogrätseln und Klassikern wie dem Sammeln von Fingerabdrücken finden sich auch schon bei anderen Spielen kritisierte Langeweiler wie das Umherschieben von Kisten mit einem Gabelstapler.Besonders den Charaktermodellen sieht<br>man an, wie viel Arbeit investiert wurde

Es passiert was... später

Wie schon der Vorgänger läuft Memento Mori 2 etwas schleppend an. Die Beweissicherung in der Galerie am Anfang des Spiels gestaltet sich zäh und macht es schwer, sich richtig ins Spiel einzufinden. Etwas interessanter wird es dann in den folgenden Szenen in Lyon durch die neu hinzukommenden Charaktere, die allesamt gut ausgearbeitet sind und einiges an Persönlichkeit vermitteln können. Die Story selbst verdichtet sich ab der Ankunft in San Francisco mit der Untersuchung des Tatorts. Wenn die restlichen Kapitel das halten können, was etwa ab der dritten oder vierten Spielstunde geboten wird, könnte Memento Mori 2 storytechnisch durchaus ein interessanter Titel sein. Und wenn die restlichen Kapitel den Umfang der von uns bereits gesehenen Abschnitte haben, dürfte das Spiel mindestens 10 Stunden lang unterhalten.

Ausblick

Memento Mori 2 ist grafisch überragend und inhaltlich solide. Die Rätsel sind zwar teilweise etwas flach, dafür gibt es aber gut geschriebene Dialoge, eine technisch gelungene Umsetzung und eine spannende Geschichte. Im Test fehlten noch einige Sprachdateien und die Untertitel passten nicht immer zum Gesprochenen. Da die uns vorliegende Version aber bereits Ende Februar erstellt wurde, dürfte sich mittlerweile noch einiges getan haben. Wer über einen Kauf nachdenkt, sollte jedoch auf jeden Fall sein System mit den Anforderungen des Herstellers vergleichen. Der Einsatz der vielen Effekte zehrt an den Ressourcen, das verwendete System sollte daher ordentlich dimensioniert sein. Zwar lassen sich die Grafikeinstellungen in den Dialogoptionen nach unten korrigieren, das wäre aber gerade bei diesem Spiel sehr schade.

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Sieht gut aus