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Detached

Vorschau

von  Hans Pieper
10.09.2016
Detached

Das Weltall und Virtual Reality – für viele Entwickler scheint das fest zusammenzugehören. Neben Adr1ft und vielen VR-Demos setzt auch Detached auf diese Umgebung. Der Titel ist derzeit im Early Access auf Steam verfügbar. Wir sind mit einer HTC Vive auf dem Kopf ein wenig durch die Gegend geschwebt und haben uns einen ersten Eindruck verschafft.

Beeindruckend: Schweben im All

Ansehnlich

Was der Titel sehr gut beherrscht, ist seine grafische Präsentation. Das Weltall und die Raumstationen, die schwebend erkundet werden, sehen sehr realistisch und gut aus. Die Geräusche sind ebenfalls passend gesetzt. Zwar wirken die Schauplätze etwas steril, dies passt jedoch zur zugrunde liegenden Geschichte der verlassenen Handelsroute.

Rätsel light: <br />Ein paar Türen sind zu

Wo ist eigentlich die F-Taste?

Wo war jetzt noch mal die Beschleunigungstaste? Und wo ist eigentlich die Tastatur? Das sind Fragen, die beim Spielen von Detached häufig auftreten können. Der Titel bietet derzeit zwei Steuerungsmodi: Tastatur und Gamepad. Die Tastenbelegung ist recht komplex und wenig intuitiv. Die vielen unterschiedlichen Tasten für die Fortbewegung, Drehungen und Aktionen liegen weit auseinander und lassen sich nur durch wildes Tippen finden. Besser funktioniert die Navigation per Gamepad. Viele Knöpfe sind es trotzdem. Die Vive-Controller wurden bislang leider überhaupt nicht eingebunden. Das wollen die Entwickler in der fertigen Version noch nachholen. Bislang gestaltet sich auch der Spielstart umständlich: Erst muss am PC gestartet und eingerichtet werden, dann soll die Brille aufgesetzt und blind irgendeine Taste gedrückt werden.

Die nächste Fahrt geht rückwärts!

Im All hört dich niemand würgen

Auf der gamescom haben uns die Entwickler stolz erzählt, sie brächen absichtlich jede Regel, die für ein VR-Spiel gilt. Allerdings gibt es auch gute Gründe, diese Regeln einzuhalten. Übelkeitsminimierung zum Beispiel. Spätestens wenn das Spiel dazu zwingt, um die eigene Achse zu rotieren, um quer durch einen Gang zu schweben, rebelliert der Magen. Doch damit nicht genug: Einige Aufgaben gehen auf Zeit. Da wäre zum einen der begrenzte Luftvorrat, der wieder aufgefüllt werden muss. Ein weiteres Beispiel: Ein Controlpad muss per Aktionstaste betätigt werden. Anschließend gilt es, mit hoher Geschwindigkeit durch einen Gang zu fliegen, um rechtzeitig hinter ein elektrisches Feld zu kommen. Im Stress wird da schnell die falsche Taste oder der falsche Knopf erwischt und der Spieler schwebt orientierungslos durch die Raumstation. Auch das quittieren Hirn und Magen, sagen wir, irritiert. Umso überraschender ist es, dass der Titel eine Multiplayerfunktion enthält, in der man gegen andere Spieler antritt. Natürlich geht es da auch um Zeit. Das ist sicherlich nur etwas für ganz Hartgesottene – oder Bastelfreunde, die sich eine Liege mit Festschnallmöglichkeiten zusammenzimmern, um die Bewegungen mitzumachen, damit der Widerspruch zwischen Augen und Rest den Körper nicht mehr überfordert. Die angesprochenen Faktoren führten dazu, dass der Preview-Test nach etwa 15 Minuten abgebrochen werden musste. Etwa 20 Minuten lang waren auch nach dem Beenden beim Tester leichter Schwindel, Schweißausbrüche und Unwohlsein zu spüren.
Für die fertigen Verison verspricht das Team hinter Detached einen "alternativen" Steuerungsmodus für "VR-Sensible". Was darunter zu verstehen ist, bleibt derzeit aber unklar. Immerhin soll der Titel dann auch komplett ohne Brille gespielt werden können, was die Übelkeit auf jeden Fall besser eindämmen wird.

Spielfigur und Magen drehen<br />sich ungefähr gleichschnell um

 


Detached auf Steam

Galerie

Ausblick



Würde das Spiel auf reines, rotationsfreies Erkunden der Raumstation und des umgebenden Weltalls setzen, wäre er vielleicht eine lohnende VR-Erfahrung. Durch Zeitdruck-Rätsel, zu komplexe Steuerung und weitere übelkeitsfördernde Elemente ist der Titel derzeit eher eine Herausforderung als ein Vergnügen. So, wie sich Detached aktuell spielt, wird es kaum ein Spieler bis ans Ende der Early Access-Version schaffen. Es bleibt zu hoffen, dass die Steuerung noch vereinfacht und an die Controller der HTC Vive angepasst wird. Denn Grafik, Sound und Präsentation stimmen.
Sieht schlecht aus