Remote Escape Room: Voodoo School

Features

Remote Escape Room: Voodoo School
Vom: 24.10.2020

Remote Escape Room im Test:
"Voodoo School"

 

Voodoo School Testbericht

 

Die Corona-Pandemie hat viele Branchen hart getroffen. Und während Computerspiele von Lockdowns und Quarantänebestimmungen eher profitieren, haben Live-Veranstaltungen, wie sie auch die von uns immer wieder mal aufgegriffenen „Live-Games“ darstellen, eher das Nachsehen. Zwar haben zahlreiche Betreiber mittlerweile wieder mit Hygienevorschriften geöffnet, aber nicht jeder Besucher möchte bereits das Risiko eingehen, für einen Stunde in kleinen Räumen eingesperrt zu sein. Deswegen haben sich findige Macher eine neue Methode überlegt, reale Live-Games nach Hause zu bringen: Die sogenannten „Remote Escape Rooms“. Wir haben einen von ihnen getestet.

Das Prinzip: Zoom für Escape Rooms

Das Prinzip von Remote Escape Rooms ist einfach: Die Spieler spielen einen realen Raum irgendwo auf der Welt mittels Videkonferenz. Im Raum befindet sich ein Game Master, der vom Raum selbst gestellt wird. Er überträgt das, was er sieht, als Live-Feed ebenfalls in die Videokonferenz und stellt damit sozusagen das Bindeglied zwischen Spielergruppe zu Hause und Spielaktivität vor Ort her. In unserem Fall haben wir das Spiel „Voodoo School“ von ExitTheRoom in Klagenfurt getestet.

Unser Game-Master ist bereit. Sind wir es auch?

Benötigt wird bei ExitTheRoom nur ein Browser mit Mikrofon, idealerweise mit Headset. Zusätzlich macht ein weiteres Gerät wie ein Tablet oder Handy Sinn, weil man von jedem Zimmer auch eine 360° Ansicht auf das Gerät gespielt kriegt und man sich somit auch unabhängig vom Spielleiter umsehen kann. Unsere Gruppe verteilt sich über ganz Deutschland: Von München über Hannover bis Hamburg loggen wir uns also in das System ein und nach kurzer Zeit erscheint auch schon unser gut gelaunter Game Master in einem zentralen Video-Feed in der Mitte des Screens.

Im Prinzip folgte danach genau das, was man von „normalen“ Escape Rooms auch kennt: Wir bewegen uns durch den Raum, unterhalten uns und lösen gemeinsam Rätsel. Tatsächlich ist es vom heimischen Computer aus sogar ein wenig bequemer, da man im Prinzip ja nur eine Person durch die Räumlichkeiten kommandiert. Codes eingeben, Türen öffnen, Maschinen bedienen, irgendwo durchkrabbeln – all das geschieht jetzt allein durch gemeinsames Abstimmen im Video-Chat.

Die Folgen: Anders, aber gut

Dass das Erlebnis dadurch linearer wird und man weniger parallel arbeiten kann, ist offensichtlich. Trotzdem bietet die schon angesprochene 360° Ansicht jedem Mitspieler die Möglichkeit, sich kurzzeitig aus dem Hauptgeschehen auszuklinken und auch mal kurz auf eigene Faust zu recherchieren – im Prinzip wie bei einem klassischen Adventure. Außerdem bietet ExitTheRoom in seinem System auch ein Inventar an. Sobald ein Hinweis gefunden wurde, lädt der Game Master ein Close-Up davon in die Inventarleiste, so dass auch hier jeder Spieler unabhängig die Hinweise studieren kann. Zusätzlich gibt es natürlich auch noch einen Chat, z.B. um gemeinsame Notizen festzuhalten.

Das Spiel: Klassenprimus mit Zauberkräften

Damit hätten wir jetzt nicht gerechnet...

Inhaltlich begann unser Spiel in einem Klassenzimmer und der Game Master hat die Story dabei direkt in seine persönliche Situation mit eingebaut: Er habe in einigen Fächern versagt und hätte nun eine Stunde Zeit, um der Lehrkraft zu beweisen, dass er es doch drauf habe. Wir seien dabei quasi seine Nachhilfe und müssten ihn unterstützen, die vielen Aufgaben zu lösen, die die Lehrkraft für ihn hinterlassen habe. Dass es dabei nicht wirklich um Schulaufgaben, sondern am Ende eben doch um ein mysteriöses Ritual geht, ist angesichts des Spieltitels sicherlich nicht zu viel verraten.

Technisch gab es nur kleinere „Hick-Ups“ wie z.B. Latenzzeiten bei der Übermittlung von Audiosignalen, die aber mit einer kurzen Aktualisierung der Browser-Seite behoben waren. Auch der genutzte Quellcode der Webseite könnte unserer Meinung nach etwas datenschutzkonformer sein. Im Großen und Ganzen funktionierte das System aber erstaunlich gut und steht einem schönen Spiel-Flow definitiv nicht entgegen.

Der Knackpunkt: Premium-Erlebnis für Premium-Preis

Am Ende hatten wir die Voodoo-Schule dann tatsächlich noch erfolgreich gemeistert. Im Gespräch hat uns der Game Master noch erzählt, dass die Remote-Technologie auch von vielen Leuten genutzt würde, die halt generell ganz woanders wohnten – auch ganz unabhängig von der laufenden Pandemie. Bei einem Preis von rund 20 € pro Spieler für ca. 1 Stunde Spielspaß stellt sich dabei natürlich schnell die Frage, ob ein gemeinsam gespieltes Adventure, Online-Escape-Game oder Brett-Escape-Game nicht die kosteneffizientere Methode ist.

Die Frage lässt sich im Prinzip ganz ähnlich beantworten wie bei den „realen“ Live-Games auch: Der Preis ist zwar hoch, aber das Erlebnis hat auch einen gewissen Premium-Wert. Es fühlt sich tatsächlich anders an, wenn man weiß, dass das Videomaterial auf dem Bildschirm eben nicht aufgenommen, sondern live ist. Zumindest wer Escape-Room-Fan ist und das Gefühl der Haptik schon vermisst, bekommt ohne „live“ vor Ort sein zu müssen über Remote Escape Rooms wohl den bislang besten Ersatz dafür.

Unser Fazit

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Ich war zunächst skeptisch, ob ein Escape Room auch digital mit einem Stellvertreter im Raum funktionieren kann. Die Vodoo-Schule hat mir gezeigt, dass es nicht nur eine gut funktionierende Plattform für diese Spielform gibt, sondern der Raum auch virtuell sehr viel Spaß machen kann. Wichtig sind aus meiner Sicht ein guter Spielleiter und eine sinnvolle Anpassung des Raumes an die niedrigere Spielgeschwindigkeit. Beides war gegeben. Für mich ist die Onlinevariante für Räume der ersten und zweiten Generation auch über die Pandemie hinaus eine schöne Option, gerade bei etwas entlegeneren Anbietern..

Hans Pieper    >
 
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Der Raum und seine eher durchschnittlichen Rätsel haben mich weniger begeistert als die Tatsache, wie gut das System an sich funktioniert. Ich hatte mit Chaos bei der gemeinsamen Abstimmung und mit Unklarheiten im Spielablauf gerechnet. Nichts davon ist eingetreten, was vermutlich auch durch die gelungene Spielführung des Game Masters erreicht wurde. Mittels seines gut gesteuerten Live-Feeds hatte ich sehr schnell wirklich den Eindruck, in einem realen Raum zu sein. Auch im Nachgespräch ging es unseren Mitspielern ähnlich. Dass man den normalen Preis bezahlt, finde ich legitim. Immerhin ist der Aufwand für den Betreiber ähnlich, wenn nicht sogar höher. Ob man es investieren will, hängt ganz davon ab, ob man für so ein „Premium-Erlebnis“ empfänglich ist. Die Regel galt aber auch schon für ganz „reguläre“ Live Games. Letztlich ist es eine Produktkategorie für sich – und ich habe jetzt schon Lust, das nächste Spiel auszuprobieren.