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Kelvin and the Infamous Machine

Test

von  Antonio Moss
28.08.2016
Kelvin and the Infamous Machine
Getestet auf Windows, Sprache
  • Deutsch
  • Englisch
85%

Das argentinische Studio Blyts hat nach anfänglichen Schwierigkeiten nun das über Kickstarter finanzierte Kelvin and the Infamous Machine mit drei statt ursprünglich fünf geplanten Kapiteln als Download auf den Markt gebracht. Reicht das schon aus, um uns zu überzeugen? Erfahrt es im Test.

Einmal durch die Zeit duschen, bitte!

Was passiert, wenn ein verrückter Wissenschaftler komplett durchdreht? Er erfindet eine Zeitmaschine und bringt mal soeben die ganze Geschichte durcheinander. Also muss ein Held her, der ebenfalls durch die Zeit reist und alles wieder in Ordnung bringt. Da eignet sich natürlich der etwas trottelig wirkende Kelvin am besten, der mit Hilfe seiner angebeteten Laborkollegin und einer Duschkabine verschiedene Epochen bereist und dabei Beethoven, Newton und da Vinci auf die Sprünge hilft, ihre wichtigsten Arbeiten zu vollenden. Von diesen hält sie nämlich der verrückte Wissenschaftler Dr. Lupin ab, während er sich selbst in die Geschichtsbücher einzubringen versucht. So hat er zum Beispiel im 17. Jahrhundert Lupinball erfunden, was uns heute eher als Minigolf bekannt ist…

Die Aufgabe des Spielers ist es also nun, durch klassische Point-and-Click-Mechaniken die Spielwelt zu erkunden und knifflige Rätsel zu lösen, um die historischen Figuren dazu zu bringen, das zu tun, wofür sie bekannt sind. So muss Beethoven dazu inspiriert werden, die fünfte Sinfonie zu schreiben. Auch der berühmte Apfelfall, der Newton die Gravitation hat entdecken lassen, ist nicht ganz so zufällig gewesen. Zu guter Letzt muss da Vinci das Gemälde fertig malen, allerdings ist sein eigentliches Modell, Lisa, ausgefallen und an ihrer Stelle ist nun ihre Schwester da - Mona. Doch diese passt so noch nicht ganz, also muss Kelvin Abhilfe schaffen.

Beethovens Stammkneipe

Kurz und knackig

Wie eingangs erwähnt, sollte das Spiel ursprünglich fünf Kapitel haben. Jetzt hat es lediglich drei und eine Art Bosskampf, bei dem Ausschnitte der zuvor besuchten Orte nochmals kurz zum Einsatz kommen. Die Gesamtspielzeit ist also recht gering, denn die einzelnen Kapitel erfordern kein stundenlanges Rätsellösen, sondern sind in der Regel in einer bis zwei Stunden geschafft. Aber es kommt hier mehr auf die Qualität als die Quantität an - und die ist definitiv gegeben! Da die Story sowieso schon ziemlich abgedreht ist, sind auch manche Rätsel nicht sehr realistisch, aber dennoch insgesamt logisch. Manchmal muss jedoch schon sehr, aber nie unfair, um die Ecke gedacht werden. Dabei schwankt der Schwierigkeitsgrad zwischen einfach und fortgeschritten, und zwar unabhängig vom Kapitel, wobei eine Steigerung spürbar ist. Allerdings gibt es auch im dritten Kapitel ein paar Rätsel, die recht einfach zu lösen, dafür aber komplexer im Aufbau sind und mehr Zwischenschritte erfordern. Dabei weiß der Hauptcharakter Kelvin nichts, was nur dem Spieler bereits klar ist - das sogenannte Gray-Matter-Syndrom. Kennt er zum Beispiel in der ersten Episode schon die Lösung für ein gewisses Schere-Stein-Papier-Duell, kann die richtige Aktion dennoch erst ausgeführt werden, wenn auch die Spielfigur diese kennt. Das passiert aber erst, wenn sie einen bestimmten Zettel liest, der wiederum erst anklickbar ist, wenn Kelvin von ihm weiß, auch wenn er so schon sichtbar wäre. Um all die Rätsel zu lösen, sind eigentlich fast immer Gegenstände vonnöten. Dialogrätsel gibt es selten und sie verlaufen meist in Verbindung mit Dingen, die vorher eingesammelt wurden.

Newton ist in sein Buch vertieft

Alles zum Mitnehmen!

Das Inventar, auf das häufig zugegriffen werden muss, ist stets über das Rucksacksymbol in der rechten oberen Bildschirmecke erreichbar. Innerhalb des Inventars können Gegenstände kombiniert oder per Klick auf das Lupensymbol von Kelvin kommentiert werden, um mehr darüber in Erfahrung zu bringen. Oft hilft das zwar nicht weiter, ist aber meist witzig anzuhören. Wie in den meisten Adventures ist auch hier der Rucksack ein bodenloser. Alles, was dem ursprünglichen Ort entwendet werden kann, findet Platz in der Tasche, ohne dem Zeitreisenden zur Last zu fallen. Dabei ist es völlig egal, ob es sich um Honig ohne Behälter, eine gefährliche Schlange, glühende Kohlen oder eine brennende Kerze handelt - was rein muss, muss rein! Die entsprechenden Kommentare von Kelvin zeigen, dass das Spiel viel Humor hat und sich manchmal selbst nicht ganz ernst oder auch andere Genrevertreter aufs Korn nimmt.

Da Vinci ist etwas skeptisch

Lachen ist gesund

Ein Merkmal vieler Point-and-Click-Adventures ist der Humor, der sich entweder im Leveldesign oder meist in den Dialogen zeigt. Auch Kelvin and the Infamous Machine ist hier keine Ausnahme. Im Gegenteil! Allein der sehr comichafte Grafikstil, bei dem allerdings die Animationen manchmal zu wünschen übrig lassen, lässt schon darauf schließen, dass hier viel gelacht oder zumindest geschmunzelt wird. Nicht zuletzt gelingt das durch gute Sprecher. Vor allem die Hauptfigur ist wirklich super besetzt. Kleiner Wermutstropfen: eine deutsche Sprachausgabe gibt es nicht, dafür deutsche Texte, die sehr gelungen sind. Manches musste zwar stark abgeändert werden, weil es im Deutschen nicht so funktioniert hätte, aber eine hohe Qualität ist hier dennoch vorhanden. Doch nicht nur in Dialogen ist allerlei Witziges zu finden. So gibt es auch versteckte Bilder von Dr. Lupin zu finden, die Kelvin dann mehr oder weniger lustig kommentiert. Auch das eine oder andere Rätsel- und Charakterdesign vermag dem Spieler ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Zu guter Letzt gibt es auch ein paar Anspielungen - allen voran die eine, die an einen anderen gewissen zeitreisenden Doktor erinnert… Passend zum humorvollen Grundton des Spiels kommt die Titelmelodie daher, die gut ins Ohr geht. Generell ist das Sounddesign wirklich gelungen und kann überzeugen. Auf permanente Hintergrundmusik wurde verzichtet, zumal es an verschiedenen Schauplätzen im Spiel sowieso Musik gibt, die dort von Charakteren gespielt wird.

Vorsicht, bissig!

Fazit

Kelvin and the Infamous Machine macht wirklich sehr vieles richtig. Grobe Schnitzer gibt es keine. Und die kleinen, wie die fehlende deutsche Sprachausgabe oder die teilweise schwache Animation, können verziehen werden, da der Rest wirklich sehr stimmig ist. Wer also ein witziges und sehr liebevoll entwickeltes Adventure mit kleinen und überschaubaren Macken spielen möchte, darf beherzt zugreifen. Über eine mögliche Sprachbarriere helfen gute deutsche Texte hinweg und der Sound trägt seinen Teil zur stimmungsvollen Atmosphäre bei. Also nicht länger warten und direkt in die nächste Duschkabine hüpfen!

Kommentare des Verfassers

detail

Oft entscheiden die ersten paar Minuten darüber, ob dem Spiel weiterhin eine Chance gegeben wird oder nicht. Dieser Titel konnte mich ab der ersten Sekunde überzeugen und hat bis zum Ende nichts von seiner Überzeugungskraft eingebüßt. Kam ich mal nicht weiter, lag das eigentlich nie daran, dass die Rätsel unfair waren. Zwar musste ich manchmal echt um die Ecke denken, aber sonst wäre es doch auch viel zu einfach, oder? Ich hatte wirklich sehr viel Spaß mit dem Spiel und hoffe, dass es sich gut verkauft und dann ja womöglich doch noch die beiden anderen Kapitel nachgereicht werden können.

Antonio Moss    >
 

Redaktions-Wertung

Grafik
Musik
Steuerung
Atmosphäre
Rätsel

Gesamt

Leser- Wertung

0 ( 0 )
Pro
Contra
  • Viel Humor
  • Nette Comicgrafik
  • Knifflige Rätsel
  • Gute Sprecher...
  • ...leider nur auf englisch
  • Teils schlechte Animationen